... tja, es gibt viele Leute, die mächtig rumphilosophiert haben ... macht ja manchmal auch Spass ...
hier gehts aber erstmal um einen Überblick über die "Profis",
und vorerst nur darüber, wer und wann philosophiert hat,
und gelegentlich dann auch worüber ... wenn mal wieder ein bisschen Zeit ist :-)


"Es gibt mehr Dinge zwischen Himmel und Erde, Horatio, als Deine Philosophie sich träumen lässt." Shakespeare: Hamlet *

*hamlet =das Dörfchen, der Flecken, der Teich, der Weiler, das Inselchen (im übtrg. Sinne), wohl auch die geistige Insel

Worin besteht das "MEHR" zwischen Himmel und Erde?



Gruppe
Name und Lebensdaten
Theorien - Thesen - Antithesen
Vorsokratiker:    
  Thales von Milet (ca 620-540 bc)

- Das Wasser ist der Urgrund alles Seienden.
- "Die Seele der Dinge ist der Ursprung ihrer Bewegung."
- naturalistische Erklärung für Phänomene, aber "Gott ist in allen Dingen; die Seele der Welt ist Gott" > bald in vielen Weltreligionen wiederzufinden, z.B. Buddhismus

  Pythagoras von Samos (570-480 bc)

- die Zahl ist der Urgrund der Natur
- Mystiker und Philosoph, vertritt Wiedergeburt und Seelenwanderung
- Vorreiter der modernen Numerologie, Weiterverbreitung durch Nostradamus
- Zahlenglauben, bes. Tetractys der Dekade, basierend auf dem musiktheoretischen Nachweis, dass die Intervalle zwischen den Tönen als Verhältnisse zwischen den ersten 4 Integralen (eins bis vier) ausgedrückt werden können
- die Inkommensurabilität der Diagonalen (d. Verhältnis der Diagonalen im Rechteck zu seinen Seiten ist nicht durch ganze Zahlen auszudrücken) führt zur Entdeckung/ Erfindung der irrationalen Zahlen,
- Sein "Satz d. P." ( im rechtwinkligen Dreieck) ist vermutlich nicht von ihm (sondern aus Babylon bzw. Ägypten, durch welche Länder er in seiner Jugend reiste)

  Xenophanes von Kolophon (ca 570-475 bc) - Der Schlamm ist der Urgrund der Dinge.
- nach Heraklit etwa zeitgleich mit Pythagoras
- Wanderphilosoph (Dichter und Freigeist) bis in seine 90iger
- kritisiert wie Thales das homerische Konzept menschenähnlicher Götter: Homer und Hesiod haben den Göttern Eigenschaften zugeschrieben, die den Menschen Schmach und Schande bereitet haben.
- kritisiert belustigt Pythagoras' Lehre von der Seelenwanderung: Menschen-Seele im Tier (wiederzufinden in östlichen Religionen)
- Es gibt keine philosophische Sicherheit, da wir die Wahrheit nicht erkennen können, selbst wenn wir zufällig aussprächen, aber wir können entlarven, was mit Sicherheit falsch ist. Fortsetzung der Falsifizierungsgedankens bei Karl Popper
  Herklit von Ephesus (ca 600-540? bc)

- Alles befindet sich in ständigem Fluss, Krieg zwischen den Gegensätzen ist die Grundvoraussetzung im Kosmos.
- Mystiker, verlacht seine Mitbürger und anempfiehlt die Herrschaft der Kinder, verlacht Homer, aber auch Pythagoras und Xenophanes
- seine Grundelemente der Natur sind Feuer, Wasser und Erde
- kosmisches Feuer hat sein Gegenstück in der menschlichen Seele, bei schwachen Menschen von "wässrigen" Elementen wie Schlaf, Dummheit, Laster befleckt; die tugendhafte Seele überlebt den stofflichen Verfall ihrer sterblichen Hülle und vereint sich wieder mit dem Feuer
- immerwährender Prozess der Trennung und Vereinigung (vgl. chin. Yin-Yang-Konzept)
- Dynamik zwischen den Gegensatz ist Antriebskraft und zugleich Zustand des Kosmos
- begründete (bewies) seine Gedanken nicht, daher selbst von seinen Nachfolgern (Nachdenkern, den Stoikern) "der Dunkle" genannt,
- verfasste seine Werke prophetisch oder als Aphorismen, Abneigung gegen jene, die nicht sehen, was vor ihnen ist
- Ähnlichkeit seiner Schriften zu chin. Klassiker Tao-Te-ching (Lao-tze zugeschrieben),
- zog sich als Asket in die Berge zurück
- kam in die Stadt zurück als er krank wurde, fragte die Ärzte, ob sie "aus vielen Regen eine Dürre" machen könnten, unverstanden
- starb ironischerweise an Wassersucht (Ödem), obgleich er das Feuer für das wesensursächliche hielt
- sein prozessuales Konzept vom "ewigen Fluss der Dinge " kontrastiert fast die gesamte geistige Nachfolge, basierend auf der Aristotelianischen Metaphysik wurden fast 2000 Jahre die Eigenschaften der Dinge, Substanzen und Objekte betrachtet und die Qualitäten, die sie besitzen oder vermögen oder tun; erst mit Bergson und Whitehead wird Metaphysik wieder als Studium von Prozessen begriffen

Eleaten:    
  Parmenides von Elea (ca 510-440 bc)  
  Zenon von Elea (490-? bc)  
Akademiker:    
  Sokrates (ca 470-399 bc)  
  Platon (427-57 bc)  
  Aristoteles (384-322 bc)  
Atomisten:    
  Demokrit von Abdera (ca 460-370 bc)  
  Epikur (341-270 bc)  
Cyniker:    
auch "Kyniker", von griech.: kyon = Hund = Spitzname von Diogenes Diogenes von Sinope (400-325 bc) - Zeitgenosse Aristoteles', bekennt sich zur einfachen Lebensweise, verschmäht Metaphysik und philos. Dünkel
- spricht für naturgemässes, einfaches Leben und Befriedigung nur grundlegendster Bedürfnisse
- "Genügsamkeit und Unabhängigkeit führen zu Glück und Freiheit"
- kompromisslose Philos. fordert Loslösung von Eigentum und Besitz, fam. Bindung und gesell. Konvention zur Verhinderung der Ablenkung durch emot. und psych. Bindungen
- nicht nur Ablenkung vermeiden, sondern Gesellschaft aggressiv provozieren um andere ebenfalls zu befreien
- absichtliche Selbstpreisgabe, um emot. Unabhängigkeit zu wahren, öffentlich sehr streitbar
- Ähnlichkeiten zu Taoismus und Zen
- jedoch kritisiert wegen des Sichverlassens auf das Schaffen der Produkte durch andere, kann nur für wenige gelten, daher elitäre Philosophie,
- Bedürfnislosigkeit ist das Einzige, was einem nicht genommen werden kann
- keine eigenen Handschriften
Stoiker:    
erste Römer in Britain: 55 b.c. Marcus Tullius Cicero (106-43 bc) - durch visionäre Hebamme zu Großtaten für Rom bestimmt
- lange Politiker, Anwalt, Redner, später Philosoph
- übersetzte viel griech. Philosophie ins Lateinische
- eigene: Academia (über die Unmöglichkeit des gesicherten Wissens), De Finibus und De Officiis (Diskussion von Zielen menschlichen Handelns und Regeln richtigen Verhaltens), Tusculanische Gespräche (über Glück, Schmerz, Gefühl und Tod), Das Wesen der Götter, Über Wahrsagung (beides theolog. Werke)
- mit Übersetzungen wesentlich zur Stärkung des Lateinischen als Sprache der Philosophie beigetragen
- mischt Skeptizismus (Erkentnisse) und Stoizismus (Gesetzestreue)
- von Antonius nach dessen Verbündung mit Octavian auf der Flucht aus Italien ermordet
 

Philon von Alexandria (ca 20 bc - ad 50)
auch Philon Judaeus oder Philon Alexandrius

 

- als ägyptischer Jude geboren und erzogen,
- Zeitgenosse Jesu,
- sein Neffe war der berühmte röm. Bürger Tiberius, späterer Verfolger der Juden
- sein Denken sehr beeinflusst von Platon und den Stoikern
- reiste als Gesandter der Judennach Rom, um bei Kaiser Caligula um Audienz zu bitten, setzt sich sehr für das Judentum ein
- heut v.a. bekannt wegen seiner Kommentare zum Alten Testament, sehr bemüht um Interpretation der Bücher Mosi
- 40 überlieferte Werke sind nur ein Teil seines Schaffens
- Über die Freiheit des Tüchtigen, Über die Unvergänglichkeit der Welt
- Mensch wurde von Gott geschaffen: erst im Geist, dann als Körper mit körperloser Seele, irrationaler und rationaler Teil der Seele werden vom Geist zusammengehalten; der Mensch ist ein Grenzbewohner zw. Göttlichem und Nicht-Göttlichem
- telos oder Ziel des Menschen ist es, wie Gott zu werden, jedoch göttlich oder menschlich allein reicht nicht, das göttliche Wissen muss menschlichen Nutzen hervorbringen, Gutes tun
- großer Einfluss auf christliche Frühdenker
- mischt religiöse und philosophische Themen

  Lucius Anaeus Seneca (4 bc - ad 65) - im span. Cordoba geboren, Erziehung in Rom,
- viel bei 3 Kaisern in Ungnade: Caligula wollte ihn umbringen, begnadigte ihn aufgrund der Vorhersage eines ohnehin kurzen Lebens, Claudius schickte ihn ins Exil, Seneca nahm sich selbst das Leben als er vom Urteil Neros erfuhr, nachdem er fälschlich einer Verschwörung gegen ihn, seinen Schüler Nero, beschuldigt wurde
- trotzdem erfolgreiche Kariere als Anwalt, erl. betr. Reichtum
- seine Werke unterteilen sich in Lehrvorträge über die Philosophie der Stoa, 124 Moralschriften, und Bühnenstücke
- Stoiker mit pragmat. EInschlag, andere St. streben nach hochtrabenden Zielen, S. entschärft Stoizismus durch prakt. Herangehen, vermittelt eher predigtartige Ratschläge als er philosoph. Wissen vermittelt
- wie Epikureer meinen Stoiker, genaues Weltverständnis muss den Alltag verändern, stoiker pflegen jedoch keinen hedonist. (lustorientierten) Lebenswandel, sondern einzig Gutes besteht in der Tugend
- Jeder von uns hat einen Gott in sich, der ihn auf dem von der Versehung für uns bestimmten Pfad führt. Glück lässt sich nur durch Handeln im Einklang mit der uns eigenen inneren Natur erlangen, die uns vom inneren Gott auferlegt wird und indem wir mit unserem eigenen Schicksal zufrieden sind.
  Mark Aurel (121-180)

- Adoptivsohn von Hadrians Onkel Antonius, am Lebensende selbst 20 Jahre Kaiser,
- konvertierter Stoiker, Interesse an Armen, Sklaven, Gefangenen, setzt Krieg gegen Juden als Bedrohung fort, plant Norderweiterung ds Reiches durch Feldzug, stirbt vorher an der Pest
- ein Werk: Selbstbetrachtungen, geschrieben während des Krieges gegen die Parther
- Stoizismus ist super für Herrscher: das Volk akzeptiert, dass alles ist wie es ist.
- Stoizismus beharrt auf Leben im Einklang mit der Natur; biol. Weltsicht
- alle beseelten (Lebe-)Wesen streben nach Lebenserhalt
- der Mensch sucht wie die Tiere nach Nahrung, Schutz usw. und zusätzlich nach Intellekt (weil das ist uns im inneren Wesen angemessen), Tugend steht einzig als Ziel und beinhaltet die griech-röm. Ideale wie Weissheit, Gerechtigkeit, Mut, Genügsamkeit

Stoa = Beschäftigung mit dem Leben im Einklang mit eigener als auch kosmischer Natur

Skeptiker:    
  Sextus Empiricus (ca 100-200)  
Neoplatoniker:    
  Plotin (205-270)  
Christen:    
  Augustinus (354-430)  
  Boethius (480-524) = Beda od. Bede  
Scholastiker:    
  Anselm von Canterbury (1033-1109)  
  Thomas von Aquin (1225-1274)  
  Johannes Duns Scotus (1266-1308)  
  Wilhelm von Ockham (ca 1280-1347)

Rasiermesser:
- "Ziehe nie mehr Annahmen zur Erklärung heran als nötig sind."
- "Die Natur tut nichts vergebens, und mehr ist vergebens, wenn es auch weniger tut."
- Die Vernunft kann nicht dabei helfen, religiöse Überzeugungen zu beweisen.

Zeitalter der Wissenschaft:    
  Nicolaus Kopernicus (1473-1543)

- heliozentrisches Weltbild (nach Aristoteles und Ptolomäus, warschl. von Aristarchos von Samos 340 v.Chr. erstmalig geäussert)
- Erkenntnisse aus Untersuchungen zur Reform bzw. Einführung des Gregorianischen Kalenders
- seine Lehren werden später von Giordano Bruno (1600 verbrannt), Gallilei, Kepler, Newton verbreitet
- Kopernikanische Wende verursachte den Niedergang der Macht der Kirche und Start der anti-abergläubischen Wissenschaft

  Niccolò Machiavelli (1469-1527) - Der (politische) Zweck heiligt die (unmoralischen) Mittel (Der Fürst, 1513; von Papst Klemens VIII verboten)
- nationale Sicherheit, nationale Unabhängigkeit, starke Verfassung (alle Gruppen regieren mit)
  Erasmus von Rotterdam (1466-1536)

- Lob der Torheit, London 1509 (mit Hilfe Morus')
- Religion, bei der Andacht aus dem Herzen kommt; "Wahre Religion ist eine Art von Torheit ... einfach und direkt, nicht von unnötigen Überspanntheiten und dogmatischen Vorschriften verzerrt."
- Grundvertrauen in menschlichen Verstand
- nach Augustinus: Vernunft ist der Diener des Verstandes
- Was ist das Wesentliche?
- schlägt sich ängstlich auf die Seite der Katholiken, die mit Worten angreifbar waren, obgleich ihm die gewaltsameren Lutheraner geistig näher standen (Luther hat's ihm nie verziehen)

  Thomas Morus (1478-1535) - von Heinrich VIII zum Ritter geschlagen, später von ihm ermordet, da er den "König über der Kirche" nicht anerkannte
- 1518 Utopia, liberale Ansätze, aber moralisch so grausam wie Maoismus und kambodschanisches System in Realität, Architektonisch grau, ebenso realitätsfern wie Platon's Staat
  Francis Bacon (1561-1626) - Wirtschaftsphilosoph und Vorläufer der brit. phils. Schule um Locke, Berkeley, Hume, Mill, Russel
- "Wissen ist Macht"
- verlangte eine neue Methodes des Vergleichs emp. Daten durch Induktion (Schluß vom Einzelnen auf das Allgemeine)
- bedeutender Beitrag zur Zerschlagung der Ideen der aristotelisch beschränkten geistigen Autoritäten
- Vorläufer Karl Poppers: Falsifizierungsmethodologie
  Galileo Galilei (1564-1642) - 1633 Widerruf seines heliozentrischen Weltbildes
- nutzte das 1608 vom Niederländer Lippershey erfundene Teleskop, entdeckte Natur Milchstrasse, Venusphasen, Jupitermonde, und das Gesetz der fallenden Körper (9,81 m/s2), und mit diesem Trägheitsgesetz die Grundlage für das erste Newton'sche Bewegungsgesetz
- Bewunderer Archimedes'
- Primär(inhärent)- und Sekundär-(rufen Effekte im Geist des Beobachters hervor)-Eigenschaften von Stoffen
- Erfinder von Mikroskop und Thermoskop (Thermometer-Vrlf)
  Thomas Hobbes (1588-1679) - unerbittlicher Materialist, selbst Gott ist Materie
- freier Wille und Determinismus schliessen einander nicht aus
- wie Bacon und Descartes weniger an gesammelten Daten als einer Methodik interessiert;
- bürgerkriegsbedingt die Theorie beiseite
- wenn Naturwissenschaft auf Naturgesetzen fußt, dann fußen Sozialwissenschaften auch auf Gesetzen. Welchen?
- ohne gesellschaftlichen Vertrag herrschte Krieg: jeder gegen jeden. Jeder will, was für ihn selbst gut ist. Der Vertrag garantiert das nur bei Rücksichtnahme auf andere. Eigennutzprinzip: sogar altruistisches Spenden ist psychologischer Egoismus. Befriedigung aus der Macht durch Möglichkeit zur Großzügigkeit.
  Sir Isaac Newton (1642-1727)

- u.a. Vorläufer von Locke und Kant
- Philosophiae naturalis principia mathematica (Mathematische Prinzipien der Naturphilosophie) gilt als umfassendstes naturwiss. Werk überhaupt
- enthält Gesetz der Schwerkraft und Gesetze d. Bewegung
- Die Natur funktioniert mechanisch.
- uneins mit Leibnitz darüber, Raum und Zeit als absolut oder nur als Beziehung zwischen Objekten angenommen werden soll, sah gut aus für Newtonianer bis Einstein die Relativitätstheorie entwickelte
- empirisch induktiver Newton kritisiert (wohlwollend) Descartes
- Gesetz der universellen Schwerkraft: jeder Körper zieht jeden anderen Körper mit einer Kraft direkt proportional zum Produkt ihrer Massen und umgekehrt proportional zum Quadrat des Abstandes zwischen ihnen an.

Rationalisten:    
  René Decartes (1596-1650)

- Systematisierungsversuch menschl. Wissens über d. Erde
- was gilt als gesichert? viele Täuschungen; etwas, dass sie hervorruft und ich, der potentiell "Getäuschte"
- "cogito ergo sum" > "ich glaube - also bin ich"
- Erkenntnistheoretischer Skeptiker
- "schwache Version ontologischer Beweisführung Anselms"

  Antoine Arnauld (1612-1694) - Repliken auf Descartes
- macht auf "Cartesianischen Zirkelschluss" aufmerksam
- Kunst des Denkens (Vorstellen, Beurteilen, Folgern, Einordnen)
- Logik ist ein Werkzeug des klaren Denkens zur Unterstützung der Rhetorik, keine Widerspiegelung universeller Denkgesetze:
1) Gesetz vom ausgeschlossenen Widerspruch
2) Gesetz der Indentität
3) Gesetz vom ausgeschlossenen Dritten
- die moderne Quantenphysik "sägt" an 2 dieser Gesetze
- "Nichts ist höher einzuschätzen, als die Fähigkeit, das Wahre vom Falschen zu unterscheiden."
  Nicolas Malebranche (1638-1715) - cartesian. Ontologoie kennt nur 3 Substanzen:
1) Geist, 2) Materie, 3) Gott
- M. löst Descartes' Leib-Seele-Problem > "Okkasionalismus"
1) ich denke: Arm hoch
2) Arm geht hoch ...
3) ... weil Gott ihn hebt
?) aber lebt Gott dann auch (in der) Sünde?
- Gott ist das einzig liebenswerte Geschöpf
- M= Quelle für Hume und Berkeley
  Baruch (Benedictus) de Spinoza (1632-1677) - Niederländer, von jüd. Gemeinde ausgeschlossen
- früher Lungenkrebstod durch Linsenschleifen für Telescope
- Ethik (posthum: Ethik nach geom. Ordnungen dargestellt)
- Alles im Kosmos is eins. (wie Parmenides), zeituntypisch
- nach transzendenter Ansicht: Gott existiert losgelöst von seiner Schöpfung; Spinoza: Es gibt nur eine Substanz: Gott oder Natur.
- kein freier Wille in handelnder Natur, nur Begierden basierend auf verschiedenen Dispositionen der Körper quasi-freier Individuen
- es gibt kein Böses, es fehlt uns nur das Verständnis für den grösseren Zusammenhang, sehr ähnlich wie Christen: Die Wege Gottes sind unerforschlich.
- mystisch, rationalistisch, theistisch; dennoch als Atheist denunziert, jüdisch verstoßen, Bücher öfftl. verbrannt, als Rationalist wenig gelesen
- Quelle für Leibnitz
  Gottfried Wilhelm Leibnitz (1646-1716)

- wie Descartes und Spinoza ausgehend von Aristotelischem Begriff der Substanz
- Monadologie (Monade = kleineste unteilbare Körper mit festen Eigenschaften > Kontinuität der Körper)
- physiologisch als auch juristisch problematisch
- alle Eigenschaften d. Individuums sind wesentlich für die Identität
- psychologische und persönliche Identität nicht geklärt
- jede Wahrheit ist eine notwendige Wahrheit
- birgt Rechenschaftsproblem hinsichtlich des freien Willens
- notgedrungene Unterscheidung zwischen absoluter (logisch unmöglich) und hypothetischer (in aktueller, gottgeschaffener Welt unmöglich) Notwendigkeit

Empiristen:    
  John Locke (1632-1704) - Brite
- Ein Versuch über den menschlichen Verstand
& Essay
- Es gibt kein angeborenes Wissen. Alles Wissen entsteht durch Erfahrungen in und mit der physischen Welt über Eindrücke und Sinnesorgane. (Empirismus)
- Kritiker (Chomsky: angeborene generative Grammatik)
- primäre (Sinneswahrnehmungen) und sekundäre (abstrakte, nicht inhärente) Eigenschaften von Objekten (Plato, Gallilei)
- ohne "Wahrnehmung" gibt es weder "Klang" noch "Farbe" (aber Luftvibration und Lichtreflexion als Phänomen), wohl aber Form und Festigkeit und Ausdehnung - unabhängig von der Wahrnehmung
  David Hume (1711-1776) - Schotte, in Edinburgh geboren,
- Weiterführung Locke'scher Gedanken
- Abhandlung über die menschliche Natur

- "Ich bin nichts als ein Bündel von Wahrnehmungen."
- Kausalität wird nie durch Sinneseindrücke erfahren
- alles nicht sinnliche existiert nicht, es ist erfunden
- Kausalität ist menschliche Erwartung
- induktives Denken ist verleitet zu Fehlschlüssen
- empirische Regelmässigeit schliesst die Existenz von "Sonderfällen" nicht aus (schwarze Schwäne, unsterbliche Menschen) > es kann jederzeit anders kommen
  Thomas Reid (1710-1796)

- Schotte, wie Kant sehr Hume-inspiriert
- Untersuchung des menschlichen Geistes
- Versuch über die intellektuellen Fähigkeiten des Menschen
- wendet sich gegen Voraussetzungen der thesen von Hume, Descartes, Locke, Berkeley: die Vorstellungen des Geistes vermitteln zwischen Subjekt und Welt
- Vorreiter der modernen Sprachphilosophie
- Diktat des gesunden Menschenverstandes (Anti-Skept., wonach die menschl. Wahrnehmung nicht verlässlich ist
- Warum aber der Kraft der Vernunft mehr Glauben schenken als der Wahrnehmung?

  Voltaire (1694-1778) - bedeutender Aufklärer, scharfer Satiriker
  Jean-Jaques Rousseau (1712-1778) - Aufklärung
- "Der Mensch wird frei geboren, aber überall liegt er in Ketten." (Einleitung zu Über den Gesellschaftsvertrag)
- Allgemeinwille ist nicht gleich Summe des Wilens aller, sondern anders und mehr
- der Entschuldigung des Totalitarismus bezichtigt
- Befürworter der Demokratie (griech.)
- Regent = Vertreter des Volkes, nicht Herr über das Volk
- "Ungerechtigkeit ist ein Resultat der Institutionen, die den natürlichen Willen und die Fähigkeiten des Menschen unterdrücken."
- "Edle Wilde"
  Denis Diderot (1713-1784) - Aufklärung: trotz versch. Denkrichtungen allen gemeinsam:
- Brechung der Macht d. relig. Dogmatismus, der feudal. Gesellschaftsordnung und des polit. Absolutismus
- inspiriert von Gallilei und Newton
- Aufkl.: Wahrheit kann durch Kombination aus Vernunft, empir. Beobachtung und gesundem Maß an systematischem und kritischem Zweifel erlangt werden
- neue Wertschätzung der mechanischen Künste > Grundlage für industrielle Revolution
- Gleichschätzung "mechan. Künste" und gelehrter Wissenschaft
- finanz. Absicherung durch Katharina d. Große: kaufte D. die gesamte Bibliothek ab und zahlte Vorschuss von 50 Jahren Lohn
- materialistische Philosophie und Wissenstheorie basierend auf von Locke etablierten Prinzipien
- Ursprung des Lebens ohne göttliche Eingebung (Vorreiter Darwins)
- Kindheitserlebnisse nehmen Einfluss auf spätere Moralwertentwicklung (Vorreiter für Freud)
- Fehlschlagen der Aufklärung wegen Überbetonung der Vernuft: kritisiert von Hume und Kant
- Hume: Vernunft = Sklave der Leidenschaft
Idealisten:    
  George Berkeley (1685-1783) - Ire, Bishop of Cloyne
- Vater des philosophischen Idealismus
- Abhandlung über die Prinzipien der menschlichen Erkenntnis; Drei Dialoge zwischen Hyla und Philonius; Versuch einer Theorie der Ges(ch)ichtswahrnehmung(?)
- Kritik an Materialismus bes. von Locke und Newton
- "Sein bedeutet wahrgenommen werden", d.h. aber: Nichtwahrgenommenes existiert nicht!
- nur Gott nimmt alles zu jeder Zeit wahr
  Immanuel Kant (1724-1804)

- Königsberger Junggeselle mit naturwiss. Interesse
- 1) Kritik der reinen Vernunft (1781) Gesetze des Denkens
- 2) Kritik der praktischen Vernunft (1788) allg. Moralgesetz ("kategorischer Imperativ")
- 3) Kritik der Urteilskraft (1790)
- Rechtfertigung der Metaphysik als legitimen Gegenstand der Untersuchung > jüngst in Verruf durch Sackgasse der Empriristen (menschlicher Geist ist ein leeres Blatt) und Rationalisten (metaphys. Urteile sind nur dem Intellekt bekannt), Kant bringt beides wieder zusammen
- 12 Verstandsbegriffe: Einheit-Vielheit-Allheit, Realität-Negation-Limitation, Substanz-Ursache/Wirkung-Wechselwirkung, Möglichkeit-Dasein-Notwendigkeit, diese Kategorien finden nur in räuml. zeitl. Rahmen Anwendung
- Verstand erwirbt Wissen aus Erfahrung mittels Kategorien (zur Wissenserzeugung)
- hypothet. Imp. (zur Zielerreichung)
- Kat. Imp.: "Handle nur nach derjenigen Maxime, durch die du zugleich wollen kannst, dass sie ein allgemeines Gesetz werde."
- Bsp.: Die Praxis des "sich etwas verspechens" ist hinfällig, wenn die Mehrheit ihre Versprechen nicht hält > also: je mehr Leute ihre Versprechen halten, desto wahrscheinlicher, dass im Einzelfall das Versprechen gehalten wird, desto gewichtiger ein Versprechen per sé

  Friedrich Schiller (1759-1805) - Ästhetik
- Stofftrieb (körperliches) und Formtrieb (geistiges)
- Furcht = Abwehrmechanismusfür Erhaltungsalarm
- wenn natürl. Bedingungen für das Überleben kritisch = Gefahr der Dimension "Widerstand zwecklos" dann Furcht > (furchtbares [körpl.] = erhaben [geistig])
- Furcht bezieht sich auf den Körper, kann nie den Geist berherrschen
- Furcht vor Erhabenem ist erfahrungsgemäß angebracht (Naturkatastrophen, hungrige wilde Tiere, ...)
a) wo Todesangst herrscht, existiert das Erhabene
b) wenn wir Erhabenes erfahren, wird zugleich die Furcht im Erhaltungstrieb hervorgerufen
  Friedrich Wilhelm Joseph Schelling (1775-1854)  
  Georg Wilhelm Friedrich Hegel (1770-1831) - der "Schwerstlesbare"
- Phänomenologie des Geistes, Grundlinien der Philosophie des Rechtes
- versucht, Lücke aus Kant's "transzendentalem Idealismus" zwischen "Erscheinungen" und "Realität" zu schliessen
- Aufdeckung der Wahrheit durch eine sich entwickelnde Ideenhistorie, damit Entwicklung auf einen absoluten, universellen Verstand oder Geist zu
- Dialektik: These - Anti-These - Synthese = neue These
- Wahrheit ist das Erlangen der Vollständigkeit bzw. die Überwindung von Beschränkungen
- Engels: "Hegel's Ideen verlaufen immer parallel zur Weltgeschichte, wobei diese der Beweis für jene zu sein scheint"
  Arthur Schopenhauer (1788-1860)

- in Danzig geboren, Doz. an Uni Berlin
- gilt als der grosse Pessimist in der Nachfolge Kants
- Diss. Über die vielfältige Wurzel des Satzes vom zureichenden Grunde, Hauptwerk: Die Welt als Wille und Vorstellung
- bewunderte trotz Atheismus die Askese östl. Religionen wegen der Lehre: Sinn des Lebens besteht in der Überwindung des Willens
- C.G.Jung: Schopenhauer ist der erster Philosoph, der vom Leiden der Welt spricht ...
- Ausgangspunkt (wie Hegel) ist die Unerkennbarkeit der Dinge an sich, das subjektive Ich wird nur in der Welt der Erscheinungen offenbar, also ist es nicht das, was was unser Wesen ausmacht (das Ding an sich), das wahre Wesen ist der Wille
- der Wille gehört nicht zum Individuum sondern ist eine universelle Triebkraft, gefangen im Individuum, sich manifestierend in dem Verlangen sich der Erscheinungswelt zu offenbaren
- Anders als Nietzsche, sieht S. den (ewigen) Willen als etwas, dem man widerstehen sollte, der universelle Wille ist zweck- & bedeutungslos, nur ein negatives Bestreben
- Überwindung des Willens gelingt durch Intellekt, durch die Künste (bes. d. Musik),
- Selbstmord ist ein Akt des Wilens, bei dem der Intellekt unterworfen wird

Liberale:    
  Adam Smith (1723-1790) - schottischer Moral-, Politik- unud Wirtschafsphilosoph
- Zeitgenosse Humes und dessen Ansichten nahestehend
- Veröfftl. seiner Ethik-Vorlesung: Theorie der Gefühle
- 20 Jahre später erscheint die berühmte: Untersuchung über Natur und Ursprung des Wohlstands der Nationen (Wealth of Nations)
- Lehrsatz: unbeabsichtigte Konsequenzen beabsichtigter Handlungen (vgl. Coleman, Luhmann, ...) führen zum Wohle der Gesamtgesellschaft, d.h.
alles absichtliche Bestreben, den eigenen Interessen zu dienen, dient gleichzeitig immer auch unbeabsichtigt dem Gesamtinteresse der Gesellschaft
- selbstregulierender freier, aber fairer Markt (unter Vernachlässigung des Monopol-Phänomens)
- sorgt für philosophischen Unterbau der nachfolgenden Moraltheoretiker Bentham and Mill
- Was fehlt einem gesunden, schuldenfreien Menschen mit reinem Gewissen zum Glück?
- vgl. Epikur: die Befreiung von körperlicher und geistiger Belastung ist das höchste Gut des Menschen,
- Moraltheorie basiert auf der Annahme des vorhandenen Mitgefühls, Sympathie sei eine allen innewohnende, instinktive emotionale Reaktion, Mitgefühl ist nicht reines Eigeninteresse
  Mary Wollstonecraft (1759-1797) - Ur-Feministin, "Hyäne in Unterröcken", Mutter der Schriftstellerin Mary Shelley (Frankenstein), bei deren Geburt sie starb
- Verteidigung der Rechte der Menschen (pro brit. Recht, durch das Volk einen schlechten König absetzen zu können, vgl. Thomas Paine)
- Hauptwerk: Verteidigung der Rechte der Frau
- prangert Armut und Sklaverei an, ist für die Abschaffung der Monarchie und die Auflösung der Macht der Kirche
- identifiziert Erziehungsdefizit als Ursache der Unterdrückung der Frau (Pflichten ohne Rechte)
- tritt für die Einheit von Recht und Pflicht ein, wonach (etwas zynisch) entweder Gleichberechtigung von Mann und Frau oder pflichtlose Unterwerfung der Frau das Resultat der konsequenten Umsetzung wäre (Ehe = legalisierte Prostitution), empfielt Handelsabkommen mit Russland über Peitschen als Hochzeitsgeschenk der Väter an ihre Schwiegersöhne
- erst 200 Jahre später nimmt Simone de Beauvoir diesen Faden wieder auf ...
  Thomas Paine (1737-1809)

- Brite, in die USA ausgewandert, Hrsg. d. Pennsylvania Magazine,
- beteiligt an der Vorbereitung der Revolutionen in Frankreich und Amerika, geistiger Autor der Unabhängigkeitserklärung der USA
- in Erwiderung von Burke's Betrachtungen über die frz. Revolution schreibt 1776 Common Sense, worin er sich für die Unterscheidung von Regierung und Gesellschaft ausspricht, die amerikanische Unabhängigkeit rechtfertigt, für Demokratie und republikanische Gesinnung wirbt, Wahlrecht für alle (Gegensatz zur frz./brit. Monarchie) und damit Recht zum Regierungssturz, Resultat:
- Anklage des Hochverrats in England, Flucht nach Frankreich, vorübergehend in der Nationalversamlung, dann im Knast, knapp der Hinrichtung entkommen
- in Agrarian Justice beschreibt er Bürgerrechte und Justizprinzipien: Im Staat sollte es den Bürgern darin besser gehen als ohne den Staat > in vielen Europäischen Gesellschaften nicht gegeben,
- Landbesitz und Eigentum muss besteuert werden
- daraus Schaffung eines Wohlfahrtssystems
- 1802 nach Amerika zurückgekehrt
- Age of Reason geschrieben: freie Meinungsäusserung, Kritik an Christentum und Atheismus zugunsten Deismus (keine göttliche Offenbahrung durch irgendwen, keine organisierte Religion) > streng gläubige amerikanische Christen reagieren recht versäuert
- Paine stirbt verarmt, allein und philosophisch - trotz des grossen Einflusses der frühen Werke - vergessen

  Jeremy Bentham (1748-1832) - in London geboren, mit 3 Latein, in Oxfort Jura studiert
- vertieft sich - unzufrieden mit der prakt. Juristerei - in Wesen und Grundlagen von Gesetz, Moral, Politik > vereinbar innerhalb eines Prinzipes:
- Erwerb von Freude = gut für den Menschen, Leid = schlecht
- Herleitung aus hedonistischer Psychologie (Epikur)
- B. verwebt das Prinzip der Utilität (Nützlichkeit) mit Kultur und Gesellschaft und strkt daraus das Moralsystem namens "Utilitarismus" was sich noch heute großer Bedeutung erfreut
- ökonom. Werke gegen Adam Smith (Keynes vorgreifend: gesetzlicher Mindestlohn und garantierte Anstellung)
- geniale Übersetzung verklausulierter juristischer und politischer und ethischer Fachsprache in einfache Sprache des Utilitarismus: Der Mensch wird beherrscht von Lust und Unlust, das Leben ist ein Kampf dagegen - vergebens
- entwirft "Panoptikum" das Gfängnis was durch Lust "heilt"/ motiviert, das richtige zu tun
- Probleme (später von Mill kritisiert in util. Ethik):
1) - keine Unterscheidung zwischen Glück und Lust,
2) Zulassung der quant. Messbarkeit des Glücks
3) keine qualit. Unterscheidung verschiedenen Glücks
- Schopenhauer sieht Ungleichgewicht zugunsten Leid in der Welt
- B. zielt auf Linderung des Leids wo möglich
- theoret. Hauptproblem: Unterwerfung des Wohls des Individuums unter das Wohl der Gemeinschaft (bis heute in util. Ethik nicht vollständig gelöst, vgl. Rousseau: Gesellschaftsvertrag)
  John Stuart Mill (1806-1873)

- Schulbildung komplett vom Vater, sehr zeitig altphilol., als Teenager bereits Mitverfasser volksw. Schriften d. Vaters
- "Alles Wissen ist das Resultat von Erfahrung"
- System der induktiven und deduktiven Logik
- Mills Utilitarismus kritisiert die Ansichten seines Vaters und Benthams
- "Prinzip des größtmögl. Glücks": Handlungen sind "richtig" gemäß dem Verhältnis, in dem sie dem Glück Vorschub leisten (Glück = Schaffung von Lust und Abwesenheit von Leid, Unglück = Leid und Lustentzug)
- Mill verbessert Bentham ("felicific calculus"), indem er der quant. auch qual. Berechnung des Glücks hinzufügt > höhere und niedere Freuden
- Kritiker: wenn alles was wir tun das Glück zu Ungunsten des Unglücks fördert, verbringen wir die Freizeit mit Wohlfahrt
- das ergibt sich jedoch NICHT aus Mills Philosophie, Moralanwendung nur auf die Bereiche des Lebens, die zur Abschreckung von Handlungsweisen Sanktionen erfordern, alles andere ist moralisch/rechtlich frei zur individ. Entsch.
- wiederholt übersehen wird, dass Mill sehr wohl zwischen "richtig" und "gut" unterscheidet
(richtig = gut = glücksfördernd nur bei richtig/falsch-Fragen)
- lebensnah und politisch aktiv (Abgeordneter), Schriften zur frz. Rev., pro Frauenwahlrecht

  Auguste Comte (1798-1857)

- brill. Karriere unterbrochen von seel. Entrückungen, Rebellion, Geisteskrankheit, Selbstmordversuch ...
- posthumer Held des frz. Positivismus, Wegbereiter des "Scientism"
- selbsternannter Begründer der Soziologie (eigtl. Weber?)
- Architekt der wiss. Methodik der Humanwiss.
- seiner Abhandlung über die Philosophie, widerspricht er später selbst, indem er in der säkularen Welt einen Platz für religiöse Empfindungen sucht
- zentral: nachweisbare Beobachtungen
- positive Wissenschaften in geordneter Rangfolge: Mathe-Astro-Physik-Chemie-Bio-Soziologie (=Statik und Dynamik der Gesellschaft, begrifflich der Technik entlehnt)
- weit nach Hume sagt er: der Verstand solle nicht Sklave der Begierde, sondern Diener des Herzens sein

Evolutionisten:    
  Charles Darwin (1809-1892) - im engl. Shrewsbury geb., Medi-Studium in Edinburgh, bald Wechsel nach Cambridge (Theologie)
- mit Expeditionsschiff "Beagle" 5 Jahre im Südatlantik >
- Grundstock an Beobachtungen für die "Evolutionstheorie"
- Von der Entstehung der Arten (the origin of species)
- Die Abstammung des Menschen

- bisher hatte alles (lt. Platon, Aristoteles) absolute (feste) und zufällige (erwerb- & verlierbare) Eigenschaften
- Versuch der Übertragung des jungen chem. PSdE auf die Biologie
- E.-Theorie ist motiviert durch Thomas Malthus' Werk über die Bevölkerungsexplosion (Populationen müssen wachsen um zu überleben, P. treten In Konkurrenz ob der verfügbaren Ressourcen, einige werden sterben, aber welche?)
- Darwin klärt per "natürliche Auslese" (Modifikation + Vererbung), kleine Unterschiede helfen zum Sieg/Überleben
  Henri Louis Bergson (1859-1941) - frz. Lit.-Nobel-Preis-Träger,
- Zeit und Freiheit, Materie und Gedächtnis, Schöpferische Entwicklung,
- Lebensschwung contra Materie = Schöpf. Variation contra Gleichmachung und Energiezerstreuung
- lehnt "grosses Ziel" als auch "grosse Ursache" ab
- élan vital = Beweis des freien Willens = unberechenbare Kraft der Veränderung
- zunehmende Verbindung von élan vital mit Liebe und Gott, die er - obgleich Materie und Lebensschwung untrennbar sind - offensichtlich für zunehmend überlegen hält
  Alfred North Whitehead (1861-1947)

- Sohn eines engl. Geistlichen, bekannt als Bertram Russles Koautor der Principia Methematica, beide schrieben vorher Bücher zur allg. Logik der Vernunft, die Principa (Ergebnis einer 1jährig geplanten und fast 10jährig andauernden Zusammenarbeit) ist die umfassendste Abhandlung zur math. Logik bis heute
- entgegen Materialismus sollte man lt. W. das Konzept "Substanz" durch "Organismus" ersetzen, und die Parameter "Raum und Zeit" durch "Ereignis", Objekte haben KEINE Verortung in Raum und Zeit, Sozial wiss. sind nicht simple "folk theories", sondern Naturwiss. sollen in die Sozialwissenschaften integriert werden

- späteres Werk: Entwurf einer "Philosophie des Organismus", wendet sich gegen Materialismus i.S. e. Phil., die sich um die Konzepte Leben, Organismus, Funktion, augenblickliche Wirklichkeit, Interaktion und Naturordnung dreht
- versucht Lücke zu schliessen, die der Materialismus durch Ausklammerung von Zweck, Wert und Absicht aus der wiss. Erklärung gerissen hat
- Wissenschaft und moderne Welt, Prozess und Realität

Pragmatiker:    
  Ernst Mach (1838-1916) - österr. Physiker, später dann Mathem. und Philos.
- gehörte zum Wiener Kreis (siehe Schlick, Carnap), wesentlich verantwl. für Entst. des logischen Positivismus des 20. Jh.
- Beiträge zur Analyse der Empfindungen, Kultur und Mechanik
- Vordenker für Wittgenstein und Einstein, Vorwegnahme der Relativitätstheorie durch Verwerfen der Newtonschen absoluten Raum-Zeit
- Raumfahrt: 1 Mach bezeichnet das Verhältnis, mit dem sich ein Objekt zur Geschwindigkeit des Schalls durch die Luft bewegt
- direkte Vermittlung von Fakten durch Aufnahme über die Sinne
- Naturgesetze sind ein psycholog. Produkt unseres Bestrebens, uns in der Natur heimisch zu fühlen
- Wissen ist ein Werkzeug zur Anpassung an die Umwelt
- "Gesetze" sind nicht beweisbar, sondern erfahrungsbasierte Mittel zur Vorhersage von Wahrscheinlichkeiten
- extremer Empirismus
  Charles Sanders Peirce (1839-1914)

- US-Logiker & Mathematiker, Chemiker
- Pragmatizismus (zur Abgrenzung von James' u.a. Pragmatismus)
- Konzept
- Zweifel
- Wahrheit

  William James (1842-1910) - in NY. geb. pragmatischer Bruder des Schriftstellers Henry
- "es kann nirgendwo einen Unterschied geben, der nicht woanders ebenfalls einen Unterschied ergibt"
- richtig ist nur, was sich auf die Welt anwenden läßt
- Der Wille zum Glauben, Die Vielfalt religiöser Erfahrung
- zwingende und bedeutsame Fragen (lebenswegverändernde Entscheidungen)
  John Dewey (1859-1952) - ursprünglich von Hegel beeinflusst, weitet dann aber Pragmatismus zum Instrumentalismus aus
- wendet sich von Metaphysik zu Erziehungsproblematik
- Schule und öffentliches Leben, Die Suche nach Gewißheit, Wie wir denken
- gewohnte Handlungsmuster versagen: Untersuchung, Problemeingrenzung, Hypothese, Abwägung, exp. Überprüfung
- "Die Wahrheit ist das was funktioniert"
- die Wahrheit ist eine erfolggekrönte Handlungsanweisung
Materialisten:    
  Karl Marx (1818-1883) - in Trier geb., Studium in Frankreich, floh nach frz. bgl. Revolution nach UK, Einfluss auf osteurop. Politik im 20.Jh.
- Das kommunistischen Manifest, Das Kapital
- Menschen Wandeln Rohstoffe in Güter um, Produktion = wichtigster Bestimmungsfaktor des Lebens
- nach dialektischem Materialismus (Dialektik bei Hegel geborgt) 3facher Konflikt zw. ökon. Klassen: durch Feudalismus entstandene Landeigentümer werden durch Mittelstandsaufstieg zur Synthese gezwungen - einer neuen ökon. Klasse - den ind. Arbeitgebern des Kapitalismus, die These des Kap. ruft die antithetischen Proletarier hervor, dialekt. Resultat: Sozialismus
- trotz leidenschaftlichem Bekenntnis zur Revolution basiert die Annahme nicht auf ethischem Urteil, sondern Sozialismus ist die Sicherung des Wichtigsten: der Güter, Sozialismus ist das Ergebnis der auf den Menschen wirkenden wirtschaftlichen Verhältnisse
- 1. Negation: kapitalistischen Produktionsmethode
- 2. Negation: inhärent in der ersten enthalten
- Ergebnis: Negation der Negation = "... extrem allg. Entwicklungsgesetz in der Natur, der Geschichte und im Denken, das ... weithin Gültigkeit besitzt..." (Kapital, Bd. 1)
- Der Geist ist aktiv mit den Objekten der Erkenntnis verbunden (wie Kant), aber
- wirtschaftliche Umwälzungen sind der Auslöser für neues Denken
- Hegelscher Idealismus > Marx'scher Materialismus
- Subjekt und Objekt stehen in permanentem Prozess der Anpassung, "Der Streit über die Wirklichkeit oder Nichtwirklichkeit des Denkens - das von der Praxis isoliert ist, ist eine rein scholastische Frage. ... Die Philosophen haben die Welt nur verschieden interpretiert, es kommt darauf an sie zu verändern."
- Kernproblem: Hegel entlehntes, universelles Naturgesetz, das der gesamten Geschichte, dem Denken und sozialen Fortschritt unterliegt > Hegel glaubt an das Gesetz annehmend, das Universum entfalte sich zweckhaft zum Absoluten.
  Friedrich Engels (1820-1895) - in Wuppertal geb., Kaufmannsgehilfe in Bremen vor Oberschulabschluss, studiert Hegel - dem sinngem. Ur-Vater des wiss. Sozialismus,
- E. ging nach einem Jahr freiwilliger Armee nach UK, sein Vater war Miteigentümer einer Baumwollspinnerei in Manchester,
- Die Lage der arbeitenden Klasse in England (1840), Sozialreprtage und lt. Lenin eine Anklage d. Kap. & d. Bgtm.
- als Mitarbeiter und Freund vom Marx Mitausarbeitung des Konzeptes des dialektischen Materialismus
- entgegen vielen Zeitgenossen sehen M/E die Arbeiterklasse nicht als problemat. Folge der Ind. Revolution, sondern als schnell wachsende revolutionäre Kraft, die die Gesellschaft schneller zum konsequent resultierenden Sozialismus führen wird
- entgegen Hegel Materialist, daher "umgedrehte" Dialektik, basierend auf Materiellem (PK, PV, Klassen und ihre Verhältnissen zueinander), beide waren die Vordenker weltweit aller kommunistischen Revolutionen,
- die in ihrem Sinne gegründeten Republiken schafften die Arbeitslsigkeit ab, aber nicht alle konnten die immateriellen Bedürfnisse ihre Bürger hinreichend befriedigen
- E. stirbt 1895 in London
  Wladimir Iljitsch Uljanow /Lenin (1870-1924)  
  Sigmund Freud (1856-1939)  
  Carl Gustav Jung (1875-1961)  
  John Maynard Keynes (1883-1946)  
Existentialisten:    
  Sören Kiekegaard (1813-1855)  
  Friedrich Nietzsche (1844-1900)  
  Edmund Husserl (1858-1938)  
  Martin Heidegger (1889-1976)  
  Jean-Paul Sartre (1905-1980)  
  Albert Camus (1913-1960)  
  Simone de Beauvoir (1908-1986)  
Linguisten:    
  Friedrich Johann Gottlob Frege (1848-1924)  
  Bertram Russel (1872-1970)  
  Ludwig Wittgenstein (1889-1951)  
  Ferdinand de Saussure (1857-1913)  
  George Edward Moore (1873-1958)  
  Moritz Schlick (1882-1936)  
  Lev Semjonowitsch Wygotski (1896-1934)  
  Rudolph Carnap (1891-1970)  
  Alfred Jules Ayer (1910-1989)  
  Alfred Tarsky (1902-1983)  
  John Langshaw Austin (1911-1960)  
  Gilbert Ryle (1900-1976)  
  Avram Noam Chomsky (1928-)  
Postmoderne:    
  Claude Levi-Strauss (1908-)  
  Michel Foucault (1926-1984)  
  Jaques Derrida (1930-)  
New Scientists:    
  Emile Durkheim (1858-1917)  
  Albert Einstein (1879-1955)  
  Karl Popper (1902-1994)  
  Kurt Gödel (1906-1978)  
  Alan Turing (1912-1954)  
  Burrhus Frederic Skinner (1904-1990)  
  Thomas Kuhn (1922-1996)  
  Paul Feyerabend (1924-1994)  
  Willard Van Orman Quine (1908-2000) - "Wissenschaft ist der letzte Richter der Wahrheit"
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