Traditionelle Landwirtschaft und Industrie

Crofting

Aufgrund der Beschaffenheit der zwei vorherrschenden Bodenarten (sehr sauer und stark alkalisch) müssen für eine gute landwirtschaftliche Nutzung die Hügelländer gekalkt und gedüngt und die machair-Gebiete mit organischen Stoffen verbessert werden. 77% des Landes ist Crofter-Pachtland. Die ca. 5000 Crofts werden von ungefähr 26 Vollzeit- und 246 Teilzeitarbeitskräften bestellt. Der Rest wird in der Freizeit bewirtschaftet. Die Größe der Crofts variiert von 1- >40 ha, wobei die größten Einheiten auf Uist zu finden sind. Das typische Crofter-Dorf besteht aus Einheiten, die entlang einer Straße liegen und zu denen etwa gleich große Flächen an individuell bewirtschaftetem "in-by" Land gehören. Umgeben wird dieses Gebiet von gemeinschaftlich bewirtschafteten "hill grazings" oder "common pasture", das auf den Äußeren Hebriden etwa 188000 ha von einer Gesamtfläche von 212000 ha umfaßt. Von den verbleibenden 24000 ha an in-by Land werden 7000 ha zum Anbau von Nutzpflanzen verwendet. Das landwirtschaftliche Einkommen wird zu 90% durch Tierhaltung erbracht, wobei Schafe (mehrheitlich "witterungsresistente" "blackface") den Hauptteil des Tierbestandes ausmachen. Auf einigen größeren Crofts werden aber auch Rinder gehalten. Der Großteil des Ertrages aus den pflanzlichen Nutzflächen wird als Tiernahrung verfüttert, der Rest trägt zum Haushalt bei und ein geringer Teil wird verkauft. 

oben: Osterlamm bei der  Inselerkundung

oben rechts: Highland Kühe

rechts: Anstehen vor der Berneray Clinic (Western Isles Health Board)

Während der frühen 80er Jahre half das von der EC initiierte Integrated Development Programme den Rückgang der Croft-Wirtschaft abzufangen. Allerdings wurden die während dieser fünf Jahre erhaltenen je £ 4 Millionen nicht nur in der Landwirtschaft genutzt, sondern auch für die Fischzucht. Dadurch blieb der erhoffte Aufschwung der Landwirtschft aus. Hohe Transportkosten, schlechtes Marketing und unzureichende Infrastruktur trugen zu weiterem Rückgang bei, wobei das Investitionsvolumen ebenfalls abnahm.

Horticulture

Gartenanbauprodukte für den Eigenbedarf waren schon immer Teil des Crofting. Der Verkauf war jedoch nie von bedeutendem Umfang. 1980 initiierte der WIIC ein Programm zur Modernisierung des Anbaus von Gartenbauprodukten, die unter das IDP der EEC fielen. Anfangs half der Council mit Finanzen und Ausrüstung und die Crofter berichteten über ihre Erfolge. Einige setzten den Anbau mit eigenen Mitteln fort. Heute gibt es noch ca. 2 Duzend aktive Gartenbauproduktionsstätten. Mit dem Marketingaufschwung der Supermarktketten ab 1980 sanken die Absatzmöglichkeiten für Gemüse aus dem Kleinanbau und die ursprünglich zur Unterstützung der Nahrungsmittelversorgung geplanten Anbaugebiete stellten sich auf Blumen und Sträucher um.

Milchwirtschaft

Die einzige Milchwirtschaft nennenswerter Größe befindet sich in Stornoway. Mit 150 Stück Milchvieh produziert sie das ganze Jahr über Frischmilch, die allerdings den Bedarf der Insel nicht annähernd deckt und damit Importe von der Hauptinsel unumgänglich sind. Viele kleine Läden verkaufen eigene Milch. Eine trotz deutlichen Bedarfs entwicklungshemmende Barriere in der Milchproduktion bestand in den 1980 veröffentlichten Beschränkungen der Milchquoten durch die EC.

Fischerei

Die Anfänge

Die dauerhafte Lebensweise als Crofter verlangt dringend nach eine Nebenerwerb. Die Fischerei bot sich auf den Inseln an und wurde schnell zum Hauptergänzungsfaktor sowie der Einheimische schnell zum "Crofter-Fisherman" wurde. Da an der Westküste nur in kleinen Mengen gefischt wurde, ließ die frühe Ausbeutung durch die Franzosen und Spanier, sowie durch die Holländer im 16 Jh. nicht auf sich warten. Mit ihrer Heringseinsalzungstechnik erhielten sie von James VI. die Lizenz, außerhalb der 28 Meilengrenze fischen zu dürfen. Lord Seaforth (ab 1610 Eigentümer von Lewis) holte beim Bau des Hafens von Stornoway wieder die erfahrenen Holländer, um die Minchfischerei auszubauen. Alexander MacLeod (Harris) rief zu ähnlicher Zeit einige Ostküstenfischer zu sich um die Einheimischen "unterrichten" zu lassen. Ähnliche "Belehrungen" gab es auch in Lewis. Die Entfernungen, die Heringswanderung, die Fremden, die die Ausrüstungen der Einheimischen zerstörten und die Bestände drastisch verringerten, die Übervölkerung und andere Faktoren trugen zum Fehlschlag der Fischindustrie bei. Trotzdem Mitte des 18.Jh. das Monopol der Heringsfischerei aufgehoben wurde, und 1786 die British Fisheries Society gegründet wurde, dauerte es - nicht zuletzt wegen der Salzgesetze - bis zum 19. Jh., bis daß die Fischerei einen Aufschwung erlebte. Der Jahresfang von ca. 80000 Fässern (1844) stieg auf 180000 Fässer (1884) und für kurze Zeit gehörten Stornoway, Lochmaddy und Lochboisdale zu den bedeutendsten Fischhäfen der damaligen Welt. Allerding fehlten wichtige Voraussetzungen für die Rationalisierung der Arbeit: neben größeren Schiffen, fehlten vor allem Kapital, (Handels-)Beziehungen, Werften und Buchten die auch von größeren Fahrzeugen angelaufen werden konnten. Der internationalen Konkurrenz nicht gewachsen war der Küstenfischerei in der zweiten Hälfte des 19.Jh. der sichere Untergang beschieden.
 

19th century fishing boats (Fife style), predominantly undecked, 
changeover to the decked type began in the 1870s

Die Depression von 1929, das Ende des Winterheringsfangs und der Verkauf von norwegischem Hering zu Schleuderpreisen vollzogen dann die (weitestgehende) endgültige Trennung von Fischfang und Landwirtschaft.
Seit vielen Jahrzehnten besteht der Hummernfang als kleiner Nebenerwerbszweig der Crofter-Fischer. Mit ihren für die Wetterverhältnisse winzigen Booten fehlten jedoch schnelle Transportmittel und die Verlustrate betrug bis zu einem Viertel des Ertrages. In Stockinish/Harris wurde deshalb 1820 ein Seearm abgetrennt und als Hummer-Speicher genutzt, weitere folgten. Seit 1967 obliegt die Hummerkontrolle und Aufbewahrung der Minch Shellfish Ltd. Zu Beginn der 70er Jahre wurde der Hummerfang vor allem von Booten aus Uist betrieben, die ungefähr ¾ des Gesamtfanges ausmachten - bis die Militärbehörden ihr Raketentestgebiet auszubauen begannen.

Die Entwicklung seit 1975

Innerhalb des primären Wirtschaftssektors liegt die Fischerei mit 756 Arbeitsplätzen1993 auf Platz 1. Davon waren 579 Vollzeit-Arbeitsplätze, 151 Teilzeit Arbeitsplätze, ca. 26 Crofter-Fischer und die an die Fischerei gebundenen Arbeitsplätze (Schiffswartung und Fischverarbeitung) wurde auf rund 300 geschätzt. Damit schafft die Fischerei 10 % aller Arbeitsplätze und ist der größte Industriezweig außerhalb der Dienstleistungssektors.

Die Fischereiflotte

398 Schiffe, wobei es sich bei den ca. 30 größten um Trawler handelt, deren Heimathafen mit einer Ausnahme (Barra, 118 ft) Stornoway ist, befischen hauptsächlich die Garneelengründe des Minch. Es gibt jedoch zwischen April und September auch erwähnenswerte Mengen von Korb- und Netzfischerei an der Westküste.
 

Größe Anzahl
<30 ft 279 71,72%
30-39,9 ft 80 20,57%
40-49,9 ft 6 1,54%
50-59,9 ft 20 5,14%
>60 ft 4 1,03%
Gesamt 389 100,00%

Flottenaufteilung nach Größe der Schiffe

Stewart Graham, Schüler am Lews Castle College, erhielt 1983 den "Shell UK Livewire"-Preis für sein Projekt selbsthergestellter Krebs- und Krabbenfangkörbe. Der damals 22jährige ist jetzt der größte Hersteller solcher Körbe und hat vor einigen Jahren sogar mit dem Export nach Schweden begonnen.

Fischfang
 

Shellfish  1993 1994
Art Fangergebnis in £ ' 000
Norway Lobster 2800 4238
Lobster 1600 1084
Velvet Crab 1400 1170
Brown Crab 1200 831
Scallops 800 918
Green Crab   787
Crawfish   372
Cockles   192

Fangergebnisse 1993/94, WIIC

1994 betrug der Wert des gefangenen Shellfishes etwa 87% des Gesamtfangwertes. Die verbleibenden £ 1,389 Millionen oder 1820 Tonnen setzen sich aus Kabeljau, Merlan, Katzenhai, Glattrochen, Seehecht, Scholle und einigen anderen zusammen.

Die Fische und Krustentiere werden entweder in die lokalen Fischverarbeitungsbetriebe gebracht oder direkt aufs britische oder europäische Festland transportiert. Nur ein kleiner Prozentsatz wird auf den Inseln selbst konsumiert. Kammuscheln, Garneelen und Krabben bilden die Hauptgrundlage der Fischverarbeitung, die derzeitig (1996) von 6 Firmen mit ca. 200 Angestellten betrieben wird.
 

Shellfish 1993
Gebiet in £ ' 000
Lewis 5209
Harris & Scalpay 789
North Uist & Berneray 1536
Benbecula 108
South Uist & Eriskay 702
Barra 2287

Fangergebnisse 1993 nach Inselgebieten, WIIC

Fischzucht

Lage, Klima und Umwelt begünstigen die Fischzucht auf den Äußeren Hebriden. Mit des Hilfe des schon erwähnten, von der EEC initiierten Integrated Development Programme begann die Fischzucht in den 70er Jahren. Sie dehnte sich zwischen 1983-88 aus und leistet mit ca. 400 Arbeitsplätzen (zweitgrößter Arbeitgeber der Primärindustrie) einen deutliche Beitrag zur lokalen Ökonomie. Allerdings befinden sich von über 200 zugelassenen Fischfarmen nur weniger als 100 in aktiver Produktion.
 

Lachszucht in den Western Isles und Schottland % WI von Sc
1984 588 3912 15,03%
1985 1036 6921 14,97%
1986 1464 10333 14,17%
1987 1830 12721 14,39%
1988 2336 17951 13,01%
1989 2865 28553 10,03%
1990 4133 32350 12,78%
1991 5622 40593 13,85%
1992 3937 36101 10,91%
1993 6834 48691 14,04%
1994 9493 64066 14,82%

Lachszucht auf den Äußeren Hebriden und im Vergleich zu Schottland

Der Lachs ist mit 1993 6834 Tonnen (14% der Schottischen Produktion) und einem Erstverkaufswert von ca. £ 16 Millionen, 1994 9493 Tonnen und £ 25 Millionen die bevorzugte Art. 90% wird frisch verkauft, der Rest wird geräuchert. Gegenwärtig betreiben rund 20 Unternehmen Lachszucht. Trotz Produktionssteigerung haben sich die Eigentumsstrukturen der Fischzuchtbetrieben in den letzten Jahren verändert (1988 waren es 50 Unternehmen). Grund dafür sind die ungünstigen Handelsbedingungen während der letzten 5 Jahre. Viele Kleinbetriebe sind aufgrund der niedrigen Preise für Zuchtlachs vom Markt verdrängt worden. Deshalb gibt es Untersuchungen mit der Bestrebung den Heilbutt als Zuchtfisch einzuführen. Außerdem sollen auch Arten wie Kammuschel, Krebs und Auster auf ihre Zuchttauglichkeit überprüft werden.

Die Kelpindustrie

Kelp ist ein alkalischer Seetangextrakt mit Pottasche und Soda, der durch die 1720 von Irland eingeführte Methode der Verbrennung gewonnen wird. Mitte des 18. Jh. begann sich die Industrie entlang der Westküste und der Inseln zu etablieren. Aufgrund geographischer Gegebenheiten entstanden die Hauptzentren auf den Uists.
Unterschieden werden zwei Arten von Rohstoffen: Treibtang (drift weed), welches besonders durch Stürme an Land getrieben und watend oder von Booten aus gesammelt wird, und der im Uferstreifen zwischen den Gezeitenpegeln wachsende Felsentang (rock weed) der nach seiner Zeichnung in schwarz, rot, braun oder grün unterteilt und geschnitten wird. Letzterer wurde wegen seines hohen Sodagehalts anfangs bevorzugt, jedoch schwengte die Industrie bald auf Treibtang um, da dieser den höheren Jodanteil besaß. Die Äußeren Hebriden besitzen ca. 141638 ha Küstentang mit ca. 36 t/acre.Der bei Ebbe geschnittene oder gesammelte Tang wird getrocknet und nach im Laufe der Zeit verschiedenen Methoden langsam verbrannt.
Zu Beginn lag der Kelphandel in den Händen der tacksman und weniger Unternehmer. Preissteigerungen bei bleibenden Pachtzahlungen brachten hohe Gewinne und kurz darauf wurden die Landeigentümer selbst zu aktiven Unternehmern. Nebenbei konnte damit der Überschuß an Arbeitskräften abgeschöpft werden. Um die Bewohner zur Kelpernte zu bewegen wurde z.B. auf Barra die Beschäftigung in der Kelpindustrie zur Vorbedingung einer croft-Pacht erhoben.
 

North Uist 1770 400 t
  1790 1200 t
  1810 1500 t
Barra   60 t

Kelpproduktion Ende 18.Jh.

2000 bis 5000 t Kelp wurden Ende des 18. Jh. produziert. Für den schnellen Preisanstieg waren die steigende Nachfage nach Chemieprodukten, die Schutzzölle (speziell für Pottasche), durch die bis 1815 währenden Napoleonischen Kriege bedingten Versorgungsschwierigkeiten und die hohen Salzsteuern verantwortlich. Zwischen 1807-1810 erreichten die Kelppreise ihren Höhepunkt mit £ 20/t. Das brachte den Landbesitzern Nettogewinn von bis zu £ 13000 jährlich wobei eine Crofterfamilie mit 3-4 t Kelp pro Saison ca. £ 8 pro Jahr erhielt. Die Salzsteuer wurde in Schritten ab 1812 bis 1825 völlig abgeschafft. Sodiumkarbonate konnten jetzt chemisch einfacher hergestellt werden, damit vollzog sich der Schwenk zum Tang als Jodquelle. Allerdings war auch diese Industrie - nach einem kurzen Aufschwung während des ersten Weltkrieges - dem Untergang geweiht.

Aufgrund der hohen Zahl der zur Kelpindustrie benötigten Arbeitskräfte wurde das Croftingsystem eingeführt und ausgebaut. Außerdem trat 1803 der Passenger Act in Kraft der Auswanderungsbeschränkungen enthielt und so zu massivem Bevölkerungswachstum beitrug. Der Kelphandel förderte nicht - wie beispielsweise die Fischerei - andere Industriezweige, sondern absorbierte nur Arbeitskräfte. Damit wurde das ohnehin geringe Ackerland auch noch vernachlässigt.

In den 60er und 70er Jahren gewann der 1880 von dem Chemiker Stanford entwickelte Prozeß, Alginate aus Seetang zu gewinnen industrielle Bedeutung. Nach den Vereinigten Staaten war die schottische Alginate Industrie Ltd. die zweitgrößte ihrer Art. Heute ist sie in der Herstellung von Alginaten führend. Seit dem zweiten Weltkrieg verdoppelt die Gesellschaft ihre Größe. In den 1970ern wurde Tang von ca. 350 selbständigen Schnittern in Teilzeitbeschäftigung geerntet und in geringen Mengen (6500 t Trockentang) auf den Inseln selbst verarbeitet (Trockenfabriken in CeoseLewis, Lochmaddy und SponishNUist , LochboisdaleSUist). 1976 lagen die Gesamteinnahmen bei £ 400000.

Seit 2 Trockenanlagen auf den Uists 1980 geschlossen wurden, wird der Tang direkt nach Girvan auf das schottische Festland transportiert. 1990 ging der Markt für die Trockenprodukte zurück, nach einem Eigentümerwechsel konnte das Produkt jedoch als Düngemittel exportiert werden. Die Trockenfabrik in Ceose/Lewis wurde 1992 wiedereröffnet. in diesem Jahr waren ca. 30 Personen in der Kelpindustrie angestellt. Da Seetang eine sich regenerierende Rohstoffquelle ist, bietet sie weiterhin Arbeitsplätze und damit eine Existenzgrundlage für die Menschen in dieser Gegend. Viele Bauern nutzen das angeschwemmte drift weed nach wie vor als Dünger für ihre landwirtschaftlichen Anbauflächen. Seit jüngster Zeit ist die Wiederaufnahme der Ernte und Verarbeitung vor Ort im Gespräch.

Harris Tweed

Die Entstehung einer Tuchindustrie

Harris Tweed wird seit dem frühen 19. Jh. produziert. Es ist jedoch bekannt, daß schon im 15. Jh. aus einheimischer Wolle grobes Tuch gewoben wurde, denn schon vor der Einführung des black-face Schafes (1760), d.h. wahrscheinlich auf der Basis von Cheviot-Schaf-Wolle (seit 1372 in Schottland) wurden Pachtzahlungen in Decken und Tuch geleistet. Solange die Kelpindustrie einen guten Nebenerwerb darstellte, war die Tuchherstellung ausschließlich für den eigenen Gebrauch und den lokalen Markt.

1840 wurde es von Lady Dunmore zu einer organisierten Kleinindustrie, da sie in dieser Art Tuch die ideale Jagdkleidung für die Aristokratie entdeckte und die Herstellung gleichzeitig eine bedeutende Anzahl von Arbeitsplätzen zu schaffen versprach. Während das Garn heute maschinell gesponnen, in Wollmühlen gefärbt und der Stoff zu fertigen Produkten verarbeitet wird, ist die Weberei immer noch Privathandwerk der Einheimischen. Die anfangs unorganisiserte und primitive Herbst-bis Frühjahrs-Heimindustrie erfreute sich während der Blüte der Fischerei (siehe 6.2.4.1) und ausreichender Beschäftigung im Straßenbau geringer Beliebtheit. Erst in der zweiten Hälfte des 19. Jh. stieg die Nachfrage aufgrund der Reaktion gegen maschinell gefertigte Kleidung und damit sprang das kommerzielle Weben auf die Uists und Barra über. Ende des Jahrhunderts hatte sie der Fischerei ihren Rang als Hauptnebenerwerb zum Crofting abgelaufen.

Natürlich barg diese Entwicklung auch Probleme, eines der wichtigsten bestand in der Bereitstellung von Garn (Man benötigte 8 Spinner für die volle Auslastung eines Webers). Deshalb wurden in der nächsten Zeit in Inverness und Peterhead Spinnereien und Wollkämmereien errichtet, ab 1900 dann auch in Tarbert/Harris und Stornoway. Mit dem fußbetriebenen, aber sonst weitgehend mechanisierten Hattersley-Webstuhl ("flying shuttle") verbesserten sich zwar die Arbeitsbedingungen der rasch steigenden Zahl der Weber, aber es stieg auch die Garnnachfrage weiter und einige Hersteller begannen, fabrikgefertigtes Garn zu verwenden, was zur schlechten Qualität des "Stornoway Tweed" führte, der jedoch nur bis 1907 hergestellt wurde.

Durch Produktionsintensivierung gelang es auf Lewis zwischen 1900 und 1922, mit 10000m hand- und 340000m teil- oder vollständig maschinengewobenem Garn (für insgesamt £ 44000) Harris mit einer Produktion von 175000m und 7000m (für £ 26000) zu überholen. Dadurch wurde es notwendig, daß die HTA (1909 gegründet) den schon 1890 geforderten "Orb" (siehe unten) erhielt. Infolge hoher Transportkosten und der 1948 eingeführten Erwerbssteuer für Tweed als Luxusartikel wurde der Nachkriegsboom (4 Millionen Meter/Jahr) und damit die Weberei auf allen Inseln bis auf Lewis und Harris beendet. Auf letztgenannten Inseln sank die Produktion auf 4-5 Millionen bzw. 20 000 Meter. 1966 erreichte die Industie nach Ausschalten der Hersteller auf der Hauptinsel ihren absoluten Höhepunkt: 1200 Weber und 900 Arbeiter produzierten über 7,6 Millionen Meter Tweed. Die veränderte Marktlage und die technologische Umstellung in den Fabriken führte zu einem schnellen Niedergang dieser Zahlen. 1975 produzierten 600 Weber und 400 Arbeiter 2,6 Millionen Meter, aber es waren schon 20% der Weber arbeitslos und erhielten als "selbständige" Arbeiter keine Unterstützung. Der Haken besteht hier in der Abhängigkeit der Weber von den Spinnereien, denn ein tatsächlich selbständiger Weber würde kein Insel-Garn erhalten und damit auch nicht den Orb auf seinen Tweed; damit wäre er in kürzester Zeit "vom Markt". Harris Tweed ist damit also nicht in den Händen der Crofter sondern eine Transaktion der Stornoway Gesellschaften.

1980 produzierten ca. 650 Weber an eigenen Webstühlen 4 Millionen Meter Tweed, allerdings ist nur noch ein Bruchteil des Garnes handgewoben. Diese Veränderung führte 1934 zu einer Umdefinition des Orb. Trotzdem verarbeitet diese Industrie ca. 1/3 der schottischen Rohwolle.
Früher gab es eine Vielzahl von Textilfabriken, 1992 waren es drei (Kenneth MacKenzie Ltd. Stornoway, Kenneth MacLeod Ltd. Shawbost, Donald MacLeod Ltd. Carloway), heute gibt es 4, 2 in Stornoway und 2 weitere in West Lewis. 1992 waren ca. 600 Menschen in die Produktion involviert und der Exportwert betrug £ 5 Millionen (1990: £ 12 Millionen).
Seit 1984 sinken die Verkaufszahlen drastisch (1984: £ 5Millionen Þ 1989: £ 2 Millionen (vgl. Dgr 16-18). Diese Entwicklung verlangt dringende Reorganisation und Umstrukturierung, beides wird getan - mit bisher moderatem Erfolg. Trotzdem schein der Weg den Croftern bei einem Nebenerwerb zu helfen und damit auf die traditionellen Strukturen einzugehen besser zu sein als den Bau von großen Fabriken zu finanzieren.

Zwei Organisationen beschäftigen sich mit dem Marketing, dem Schutz und der Produktion von Harris Tweed: die schon erwähnte Harris Tweed Association (HTA) und Hebridean Textile Manufacturers Association (HTMA). In der Verantwortung der HTA liegt die Verwaltung des Orb. 

.Der Orb ist das älteste britische Warenzeichen, und schützt die genau definierte Qualität des Harris Tweed 

Jüngste Entwicklung und nahe Zukunft

Zu den signifikantesten Veränderungen der letzten Jahre gehören die Einführung des Griffith "double width loom" (Webstuhl mit doppelter Stoffbreite), der im Septenber ‘95 in Paris auf der Premier Vision Show erstmals zu sehen war und die von HIE mit £ 20000 gestützte Untersuchung für den Plan eines Harris Tweed Besucherzentrums in der Nähe von Tarbert/Harris.

Im September 1995 arbeiteten schon 31 Weber mit den neuen Webstühlen, am Jahresende waren es ca. 70. Die Webstühle sind dringende Voraussetzung für die Großvermarktung des Produkts, da die meisten Abnehmer keine Möglichkeiten haben, die schmaleren Stoffbahnen zu verarbeiten. Zu diesem Zweck haben WIE und HTA 1993 eine £ 10 Millionen Strategie zur Umstellung der Produktion ins Leben gerufen. Außerdem ist der neue Stoff leichter und bezüglich des Designs flexibler, was ihn zu einer geeigneten Grundlage auch für Damenbekleidung macht.

Der alte Hattersley wird jetzt nicht mehr hergestellt, was zu Problemen bei der Ersatzteilnachfrage führt. Aus diesem Grund soll die Umstellung auf die neuen Webstühle möglichst forciert werden. Dazu benötigen die Weber £ 3900 Eigenkapital. WIE unterstützt den Kauf eines Webstuhles mit £ 5200 und die EEC gibt weitere £ 3900. Außerdem wird der Bau neuer Weaving Sheds (Web-Hütten) finanziell unterstützt.

Die Zahl von 1994 hergestellten 2,17 Millionen Metern Orb-gestempelten single-width-Tweeds fiel 1995 auf 1,63; allerdings wird bei zunehmender double-width Produktion eine Aufschwung der Verkaufszahlen erwartet. Im Lews Castle College werden mit EEC-Unterstützung Trainigskurse für junge Weber und Umstellungshilfen angeboten. Es laufen auch Anträge für weitere europäische Zuschüsse.

Als vor drei Jahren das £ 10 Millionen Projekt angekündigt wurde, sprach man von double-width Stoff als dem "Malzwhisky" der Textilindustrie. Donnie Macaulay, Vorsitzender des WIE, hofft auf das Vertrauen der Weber in die neuen Webstühle genauso wie auf die wachsenden Absatzmöglichkeiten. Jedoch steht noch Optimismus, wo man lieber Sicherheit hätte: "I suppose it depends whether it is a double or a single malt." (D.Macaulay) Es bestehen jedoch seit kurzem zwei neue Probleme:

Von den derzeit aktiven Webern (400), sind über 100 "old age pensioners", 60 sind zwischen 60 und 65 Jahre alt, 255 sind über 50 und nur 15 unter 30. Diese Zahlen sind sicher nicht erläuterungsbedürftig.

Die USA sind ein großer Abnehmer für Harris Tweed. Seit 1958 erfreute sich der Stoff bisheriger Breite sogar eines maß- und verfahrensgebundenen Sonder-Importtarifs. Mit der Einführung des neuen Webstuhls verdoppelt sich die Stoffbahnbreite und fällt damit nicht mehr in die steuerreduzierte Kategorie "<30 inch". Man hofft jetzt auf eine Konzession der Regierungsadministration, daß eine ähnliche USA-Einfuhr-Erleichterung für Produkte mit Orb-Stempel geschaffen wird. HTA und WIE untersuchen derzeitig, wie dabei am besten vorzugehen sei.

Im März diesen Jahres wurde an 65 neuen Webstühlen gearbeitet, im Sommer sollten 46 hinzukommen, für das Jahresende sind insgesamt 130 geplant. Ostern ‘97 sollen es 200 sein und 300 ist die angestrebte bzw. erhoffte Zahl für die mittelfristige Zukunft.

Jagd und Forstwirtschaft

Jagdreviere

Da in den 1880er Jahren die Wollpreise beträchtlich sanken, weigerten sich einige Schaffarmer ihre Pachtverträge mit den Bodeneigentümern zu verlängern. Infolge dessen suchten diese nach einer alternativen Form der Landnutzung, die sie in der Umgestaltung der Schaffarmen in Jagdreviere fanden. Vermietung und besonders der Verkauf dieser Jagdflächen an finanziell bessergestellte, unter denen die meisten Engländer waren, oder sogar im Ausland beheimatet, bedeuteten deutlich größere Gewinne. 1884 bestanden bereits 708190 ha solcher Gebiete. Heute gibt es sie nur noch in den Bergen von Harris und Lewis. Eine Ausnahme bildet der "Forest of Park" der schon eher der Familie Seaforth als Jagdgrund gedient hat. Allerdings sind diese Gebiete heute hinsichtlich der Erwerbstätigenzahl nahezu unbedeutend.

Forstwirtschaft

Die Forestry Commission ist das einzige Unternehmen auf den Äußeren Hebriden, das kommerzielle Forstwirtschaft betreibt. Sie besitzt 855 ha, von denen sich 721 ha für die Wiederaufforstung eignen, von denen wiederum 462 ha bis 1976 bepflanzt waren. Mit 98% des Anbaulandes sind Aline und Garynahine die beiden wichtigsten Gebiete. Holzschlag findet derzeit nur in Balallan statt. In North Uist wurden kürzlich zwei weitere Gebiete aufgeforstet die sich bisher als vielversprechend erweisen. Allerding beabsichtigt die Forestry Commission nicht, weiteren Boden zu erwerben, da der schlechte Boden und die windexponierte Lage der Aufforstung ernste Probleme bereiten.

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