Ökonomische Aktivität und Arbeitsmarktlage

Da neben der Wohnraumbeschaffung und der Versorgung mit Bildungs- und Ausbildungsstätten die Suche nach einer Arbeitsstelle bei der Migrationserwägung im äußersten Vordergrund steht, soll dieser Gegenstand in diesem Kapitel gesondert betrachtet werden.

Ökonomische Aktivität

Ökonomische Aktivität (Individuum) und Arbeitsmarktlage (lokale/ nationale o.ä.) sind zwei Seiten der selben Medaille. Da die letztere "Seite" schon in anderen Kapiteln angesprochen wurde (siehe Literaturbetrachtung, Industrie und Landwirtschaft), soll jetzt zuerst ein Überblick über die ökonomische Aktivität gegeben werden.

Jahr

 

Produktion

Bau

Service

1995

1,68

10,27

13,84

61,24

  (Energie/ Wasser)      

1974

6,1

15,3

13,6

65

  (Land-/Forstwirtschaft, Fischerei)      

prozentualer Anteil der Wirtschaftssektoren (WIIC 1995 [1991Census] und Department of Employment [1971 Census])

Aus dieser Tabelle gehen ungefähre Verteilungen hervor, die - da es nur Daten aus zwei Jahren sind - jedoch nicht tendenziell ausgewertet werden können und sich die erste Spalte nicht zum Vergleich anbietet. Eines ist jedoch deutlich ersichtlich: die Service-Industrie belegt mit Abstand Platz 1.

Vergleicht man die Entwicklung zwischen 1964 und 1973 (siehe nachfolgende Tabelle), sind sinkende prozentuale Aktivität im Primärsektor und ein Ansteigen des Servicesektors klar ersichtlich. Diese Entwicklung setzte sich bislang fort.

Gebiet Primärsektor Produktion Bauwesen Dienstleistungen
Schottland -43,1 -5,5 -10,5 -5,2
Highlands -42,1 +76,3 +1,3 +8,6
nördliche Hebriden -90,8 -28,2 -6,2 +3,6

Veränderung der Wirtschaftssektoren, anteilig 1964/73

Für die Äußeren Hebriden gliedert sich die Verteilung der Sektoren (1984) wie folgt:

Gebiet Fischerei, Land-/Forstwirtschaft Wasser/ Energie Produktion Bauwesen Dienstleistungen
Western Isles 1100 141 1944 803 5390
% 11,7 1,5 20,7 8,6 57,5

Wirtschaftssektorengliederung, 1984, Census of Employment

Der Produktionssektor schließt die Herstellung von Harris Tweed ein, zum Service gehören 2183 (1984) Angestellte des seit 1975 umgebildeten WIIC und 644 (1984) Angestellte des Health Board, die damit zu nenneswerten Arbeitgebern geworden sind.

Selbständige Arbeit ist ein bedeutender Faktor auf den Inseln. 1984 gab es 316 Crofter, 409 Fischer und 703 Weber. Damit stellten Selbstangestellte und bei selbständigen Arbeitgebern Angestellte 13% der Arbeitskraft dar.

Die derzeitig schlechten Bedingung resultieren aus:

  1. der Schließung des Arnish Oil Platform Construction Yard,
  2. der Veringerung des Tweed Markts,
  3. den gesunkenen Lachspreisen und
  4. der unterentwickelten Tourismusindustrie.

Die Verteilung der ökonomischen Aktivität auf den Äußeren Hebriden gliedert sich für 1991 wie folgt auf: 56,41% der Einwohner sind ökonomisch aktiv (d.h. fest angestellt), 43,6% sind ökonomisch inaktiv (d.h. Kinder, Studenten, Rentner, Personen in langzeitiger medizinischer Betreuung, etc.) und 13,3% sind arbeitslos.

Bei der Verteilung der ökonomischen Aktivität gab es in den letzten Jahren einige nenneswerte Veränderungen.

  Schottland Highlands Äußere Hebriden
  Männer Frauen Männer Frauen Männer Frauen
1966 83,9 42,2 80,9 33,4 74,5 23,4
1971 81,2 42,4 80,9 36,1 72,5 25
1981         90,6 50,9
1991         86,1 62,4

ökonomische Aktivität Männer und Frauen in %,Comhairle nan Eilean S. 25 und GROS-Monitor for WIIA

Charakteristisch - und dieser Tabelle auch zu entnehmen - ist die Tatsache, daß

  1. der prozentuale Anteil der Männer höher ist als der der Frauen und
  2. die Anteile der Frauen verhältnismäßig ansteigen, während die der Männer - prozentual sinken.

Arbeitslosigkeit

Arbeitslosigkeit ist ein auf den (Äußeren) Hebriden im Vergleich zu Schottland schon immer ausgeprägteres Problem.

Die Folgen der oben erwähnten Problematiken zeigen sich in der nachfolgenden Übersicht über die Arbeitslosenzahlen für Lewis und Harris im July 1989 und Januar 1990:

1989 Männer % Ä.H./Sc. Frauen % Ä.H./Sc. Gesamt % Ä.H./Sc.
Lewis & Harris 803 17,0/ 11,1 274 7,1/ 5,7 1077 12,6/ 8,8
1990            
Lewis & Harris 1011 20,6/ 11,5 296 7,7/ 6,3 1307 15,9/ 9,3

Arbeitslosigkeit in Lewis und Harris, 1989/90, Department of Employment

Ein früherer Vergleich zeigt ähnliche Verhältnisse: Lewis: 24%, Highlands: 8,6%, Schottland: 5,6%, UK: 3,5. Selbst wenn die absoluten Zahlen etwas schwanken, am Verhältnis der Prozentsätze zueinander wird sich perspektivisch nur wenig ändern.

Einkommensquellen und die Bedeutung des Nebenerwerbs

Das Einkommen pro Haushalt liegt ungefähr bei £9,036 (1988/89), das sind @ 64% des Einkommensdurchschnitts für das Vereinigte Königreich. Die Notwendigkeit des Nebenerwerbs liegt auf der Hand. Die unter 6.2 und 6.3 genannten Industriezweige und gleichzeitig Haupterwerbs-einkommensquellen sind fast alle durch Saisonbedingtheit gekennzeichnet und lassen sich deshalb günstig in das System des Crofting einpassen. Dadurch können Komplementäreinkommen die einzelnen Haushaltkassen aufbessern, während z.B. eine Mißernte oder schleche Fangergebnisse nicht ganz so verheerende Folgen haben. Der Umfang des Crofting wird nach Standard-Arbeitstagen einer Person berechnet. Entsprechend berechnet sich die Größe eines Croft.

SMD Lewis übrige ÄH % von Gesamt
<40 2606 1906 4512 77,1
40-99 421 454 875 17,4
100-199 71 144 215 4,3
200-249 8 23 31 0,6
250-599 7 18 1 0,5
600+ 0 1   0,2

CC-AR 78

Die Zahlen der "<40SMD" -Zeile sprechen deutlich vom hohen Verbreitungsgrad speziell der kleineren Crofts und folglich der Bedeutung des Crofting auf der Haushaltebene. In der nachfolgenden Tabelle wird anhand der Zahlen für Teilzeitbeschäftigung in der Landwirtschaft die aus obenstehenden Zahlen resultierende Bedeutung der Crofts verifiziert.

  Vollerwerb % von Gesamt Teilzeit Gesamt
1976 49 2,8 1696 1745
1977 44 2,9 1487 1531
1978 40 2,6 1510 1550
1979 38 2,4 1517 1555

Anzahl wichtiger landwirtschaftlicher Betriebe 1976-79, DAFS, Census-Return’79

  Lewis Harris NUist Benbecula SUist Barra
1963 3600     2414    
1978 3605     2368    
1985 3599     2373    
1986 3599     2374    
1987 3600     2378    
1988 3600     2378    
1989 3600     2381    
1991 3609     2384    
1992 3612     2386    
1993 3611 559   1386   441
1994 3610 559   1390   441

Anzahl der Crofts für Lewis und weitere Inseln 1978-1994, nach CC-AR 1961-94

Mit ca. 6000 Crofts stellen die Äußeren Hebriden ungefähr 1/3 der gesamten Crofts der sieben "crofting counties" Inverness, Argyll, Ross & Cromarty, Orkney & Shetland, Caithness und Sutherland dar (ca. 18000).

Bei so vielen aktiven (bewirtschafteten) Crofts (im Vergleich zur Gesamtbevölkerung der Äußeren Hebriden) lohnt es sich auch, festzustellen, daß 1988 nur ca. 33 Crofter vollbeschäftigt auf dem Croftland gearbeitet haben, der Rest waren Teilzeitcrofter bzw. in der Freizeit beschäftigt. Dabei spielt die Tierzucht eine dominante Rolle (Rinder und Schafe). Während die ohnehin geringe Anzahl der Rinder (1980: 1867) weiter sinkt (1988: 1335), sinkt auch die Anzahl der Schafe (1980: 138088 Þ 1988:136334). Einer der wenigen Pluspunkte des hebridischen Schaffleisches besteht in der wachsenden Nachfrage nach dem zweifelsfrei hochqualitativen Fleisch von "glücklichen" Schafen. Dennoch verweisen die Zahlen auf die immer große Bedeutung der Schafzucht, auch wenn die Wollpreise ungünstig sind und Schaffleisch im Moment auf dem Markt nicht so günstig zu verkaufen ist. Das aus dem Crofting gewonnene Einkommen liegt bei ca. 2,7% des Gesamteinkommens der Hebriden. Die folgende Tabelle gibt einen abschließenden Überblick über die Verteilung der Einkommensquellen.

Einkommensquelle  
  crofting 2,7
Selbständige Tätigkeit Weben 8,8
  Fischen 4,0
  andere (Tourismus etc.) 7,2
Arbeits- und Beschäftigungsverhältnis 44,6
Transferzahlungen Arbeitslosenunterstützung, SV 30,1
  andere 2,6

Einkommensquellen auf den Äußeren Hebriden

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