Bildung, Erziehung und Kultur

Die Isolation der Äußeren Hebriden zeigt sich besonders deutlich, wenn man sich den hartnäckigen Fortbestand einiger Merkmale des täglich Lebens vergegenwärtigt. Diesbezügliche Hauptcharakteristika sind zweifellos die gälische Sprache und die damit verbundenen Traditionen und Lebensweisen. Allerdings beinhaltet das Festklammern an diesen Traditionen dann Probleme, sobald der Blick über den Tellerrand, d.h. den Minch hinaus reicht. Denn dort wird Englisch gesprochen. Rückwirkende Einflüsse auf die schulische Erziehung und das spätere Berufsleben, als auch der weiteren Erhalt der Traditionen sind Gegenstand dieses Kapitels.

Bildung

Entwicklung der letzten Jahrzehnte

Nach einem 1945 erlassenen Gesetz folgte die Bildungspolitik dem Trend der Zentralisation bei der Schaffung von Bildungseinrichtungen (speziell sec. schools für Schüler, die einen höheren Bildungsweg anstreben). Nach 1950 ging man von dieser Politik schrittweise ab. Mit der Einführung der "O-Levels" wurde die grundlegende Teilung der Schüler zu Beginn der secondary schools problematisch, weil jetzt die meisten die dazu nötigen Kurse auch in den kleinen Gemeinden angeboten werden sollten. Die Abschlüsse wurden bald darauf von den meisten Arbeitgebern als Bewerbungsvoraussetzung gefordert.

Eine andere Veränderung brachte der Mitte der 60er erscheinende Brunton-Report infolge dessen das Schulabschlußalter von bisher 15 auf 16 erhöht werden sollte. Das betraf natürlich vor allem die Abgänger mit ehemals Non-Certificate-Kursen. Das daraus entstehende Problem ist offensichtlich: Personalmangel und fehlende Personalkosten für die Kurse mit geringen Schülerzahlen in den kleinen Gemeinden. Die Veröffentlichung des Circular 600 verdeutlichte das Problem zunehmender Bildungszentralisierung und damit die ansteigende Zahl von Kindern, die nicht mehr zu Hause wohnen können, d.h. in Internaten untergebracht werden müßten. Diese von den Eltern als inakzeptabel betrachtete Lösung stand akuten finanziellen bzw. strukturellen Problemen gegenüber. Der Secretary of State wandte sich darauf hin an das HIDB, welches - obgleich der Gedanke an Auswärtsbildung auf den Inseln nicht neu ist - seine Bedenken bezüglich des vollständigen Abzugs der "brighter children" zum Ausdruck brachte. Erfahrungsgemäß würden die wenigsten zurückkommen. Das Memorandum der Western Isles Crofters Union an das Scottish Education Department und an das Ross and Cromarty Education Committee beschreiben die nahe Zukunft klar und deutlich: Es werden für Kinder über 12 Jahre im ländlichen Lewis keine Bildungschancen mehr bestehen und die Bildungspolitik wird nicht nur die ländliche Erwerbssituation beeinträchtigen, sondern damit auch folgenschwere Veränderungen bezüglich des sozialen Lebens, der Auswanderung, der Familientrennung und des Kulturverlustes auf ihre Schultern laden.

Die Reorganisation der höheren Bildung wurde auf Sitzungen des Highland und Island Development Consultative Council (1969) weiter diskutiert und 1970 wurde in Inverness ein Untersuchungsprojekt eingeleitet, daß die tatsächliche Beziehung zwischen Bildungszentralisation und Migration erforschen sollte. Der ca. 80seitigen Projektbeschreibung und -auswertung sind folgende Grunderkenntnisse entnommen:

  1. Bildungsstruktur ist kein entscheidender Migrationsfaktor.
  2. Die von Eltern favourisierte Form besteht in einer lokalen zweijährigen allgemeinbildenden Schule und die Ermöglichung der O-Level-Abschlüsse in einer regionalen Einrichtung.
  3. Dabei ist nur eine Minderheit der Eltern mit der derzeitigen (1975) Lage zufrieden, wobei die Unzufriedenheit keinen direkten Einfluß auf Migrationsentscheidungen ausübt.
  4. Schon während des ersten Jahres in der "secondary education" akzeptieren Schüler die Notwendigkeit des Auswärtswohnens, wobei die Migrationserwartungen während des zweiten Jahres stetig ansteigen. Zwei Jahre nach Verlassen der Schule erwartet nur noch jeder Fünfte, im Heimatort wohnen zu bleiben.
  5. Eltern und Schüler betrachten die Erwerbschancen im Heimatort als zahlenmäßig und fachlich begrenzt. Die Migrationserwartungen sind hoch
  6. Aufgrund der fehlenden Arbeitschancen im Heimatraum soll der Lebenslauf die Schüler für den nationalen Arbeitsmarktwettbewerb vorbereiten.
  7. Außerdem bestätigte sich die Annahme, daß Eltern migrieren, um ihren Kindern Internatsaufenthalte zu ersparen nicht. Gleiches gilt für die sich anschließende Suche nach einer Arbeitsstelle.

Derzeitige Verteilung der Bildungseinrichtungen

Es gibt derzeit (3/1996) ca. 44 primary schools, 11 gemischte Schulen (P1-S2/5-14), 2 secondary schools (P1-S6/5-18) mit den Lehrplanhauptgebieten: Sprachen, Mathe, Umweltstudien, Expressive Künste, Religion und Ethik, und eine Sonderschule. Die Größe der Schulen variiert zwischen einem Lehrer (Cliasmol/Harris) und 30 Lehrern (Stornoway).

Die Bevölkerungsdichte von 10,2 Ew./km2 verringert sich noch dadurch, daß sich ein großer Teil der Bevölkerung auf den Raum Stornoway konzentriert, und bei den topographischen Gegebenheiten wird klar, daß allein der Transport der Schulkinder in die jeweiligen Einrichtungen problematisch wird. Für Kinder, die weiter als 2 km (Unterstufe) bzw. 3 km (Oberstufe) von der Schule entfernt wohnen, besteht die Möglichkeit, den täglichen Schulbus zu nutzen, ...

...oder das Gemeinde-Fahrzeug, wie hier den "Berneray Bus", mit dem früh morgens und nachmittags die Kinder zur Schule und wieder nach Hause, die Jugendherbergsbesucher zur Fähre, und allsonntäglich die älteren Gemeindemitglieder zum Gottesdienst chauffiert werden.

Primary schools gibt es im näheren Umkreis fast aller Gemeinden. Dennoch sind die Entfernungen speziell für die höheren Bildungseinrichtungen (z.B. Lews Castle College und Nicolson Institut, derzeit laufen Fusionsgespräche zwischen den beiden Schulleitungen in Stornoway) beträchtlich. Folglich wohnen einige Schüler zeitig in Wohnheimen, womit der erste Schritt getan ist, ein "climate of mobility" zu schaffen. Nach Sewel und Hannan werden Migrationsentscheidungen junger Leute hauptsächlich hinsichtlich der Arbeitsstelle getroffen und beruhen nicht auf Migrationserfahrungen während der Schulzeit. Allerdings ist die ungenügende Versorgung mit Bildungseinrichtungen trotz alledem Grund zu häufigen und heftigen Beschwerden der ländlichen Bevölkerung.

Es gibt jedoch auch positive Ergebnisse der Bildungspolitik. Die zweisprachige Politik des WIIC wird auf alle Ebenen der Bildungspolitik angewendet. Es gibt ca. 50 Vorschulgruppen, die von mehreren Vorschullehrer (in Teil- und Vollzeitbeschäftigung) geleitet werden und spezifische Unterstützungen für die Entwicklung gälischer Spielgruppen (Gälisch als Medium) erhalten. Materialien wie gälische Bücher, Tonbänder, Arbeitsblätter und Music sind kostenlos.

Alle Schulen müssen die Zweisprachenpolkitik implementieren. Es gibt aber auch 21 Schulen mit Gälisch als Unterrichts-Medium. Die Zahl dieser Einrichtungen ist von 4 Schülern (1986) auf 460 (1994) gestiegen, und die Einrichtungen werden erweitert, um den Bedarf weiterhin decken zu können. Der Unterricht mit Gälisch als Lehrsprache besteht aus 2 Phasen: der Eingewöhnungsphase (P1&2), und dem graduell gesteigertem anschließenden Unterricht in gälischer Sprache. Ziel ist dabei, daß Gälisch sprechende Kinder fließend Gälisch und Englisch lesen und sprechen können sollen, wenn sie in die Sekundarstufe entlassen werden.

Die Schulen sind außerordentlich gut mit audiovisueller Technik, Kopier- und Faxmaschinen, sowie Computern ausgerüstet. Mikrocomputer stehen in 90% aller Klassenzimmer in der Primary school und die Unterrichtenden haben Zugang zu speziell entwickelter Lernsoftware. Anfang der 80er wurden alle primary schools mit einem Computer ausgerüstet, was zum Aufbau von "Brutel" beitrug, einem "local view-data system", das auf einem Zentralserver des Education und Leisure Department basiert. Die Nutzung von electroic mail (eMail) ermöglicht Schülern, Lehrern und Lehrplanentwicklern die Möglichkeit, sich mit der neusten Informationstechnik vertraut zu machen und die damit verbundenen Fertigkeiten zu erlangen. Seit 1986 werden vom SOED "Specific Grant[s] for Gaelic" eingeführt, mittels derer gälische Projekte mit bis zu 75% der Kosten unterstützt werden können.

Von den 15 secondary schools in den Western Isles bieten 4 die Kurse für das gesamte 6-Jahres-Programm an (Castlebay Community College, Sgoil Lionacleit, Sir E Scott und das Nicolson Institut). Von den 2jährigen ländlichen Oberschulen wechseln die Schüler zu einem der genannten 6jährigen Einrichtungen oder dem Lews Castle College (S3, S4 und Weiterbildungskurse, die zu höheren Abschlüssen und Diploma führen). Neben verschiedenen Fächern des allgemeinen nationalen Lehrplanes werden auch Kurse zu speziellen lokalen Besonderheiten angeboten. Neben Gälisch stehen Englisch und Französisch auf dem Lehrplan, wobei Französisch, Gälisch oder Deutsch in der Oberstufe fortgeführt werden sollen. Gälisch als Unterrichtssprach weitet sich langsam auf Gebiete wie Sozialkunde, Ökonomie, Mathematik und Kunst aus, die Zahl der Einrichtungen, die diesen Unterricht anbieten, wird weiter steigen.

Mit der Einrichtung des School Industry Liaison Officers und des Careers Service wurden nützliche und wichtige Ansprechpartner für die Jugend geschaffen, die Bildung und Wirtschaft verbinden, Berufswahlen vereinfachen und über mögliche Wege nach der Schule informieren. Es werden Praktika vermittelt, Gespräche geführt und Verbindungen zwischen Schulen, Eltern und Schülern mit lokalen Unternehmen geknüpft.

Eltern und Schüler haben oft die gleiche Auffassung hinsichtlich dessen, was ein "guter Job" ist, leider aber doch oft noch mit dem Unterschied, daß er für die jüngere Generation meist im näheren Umkreis nicht zu haben ist. Das verringert jedoch Spannungen in der Familie, denn die Älteren werden bleiben, wenn die Kinder auswärts arbeiten, daran wird sich so schnell nicht viel ändern. Interessant wäre jedoch zu untersuchen, warum dennoch einige in der Gemeinde bleiben.

Das Western Isles Brain Drain Problem

Dreiundneunzig Prozent der Schulabgänger mit drei und mehr "Higher Degrees" verlassen die Western Isles nach Beendigung der Schulausbildung. Einundsechzig Prozent von ihnen kehren nicht zurück. Diese Zahlen stammen aus einer Untersuchung der Western Isles Education Business Partnership (WIEBP) aus dem Jahr 1993. Es bestand ein genereller Konses über die bestehende Problematik der Abwanderung, allerdings war die Tragweite des Problems nur teilweise bekannt. Die WIEBP versendete 3000 Fragebögen an ehemalige Schüler um deren gegenwärtige Beschäftigung zu erfragen und ob sie vielleicht zurückkehren möchten. Dreiundfünfzig Prozent der Befragungsteilnehmer brachten ihren Rückkehrwunsch zum Ausdruck unter der Voraussetzung, daß sie eine Arbeitsstelle auf den Inseln fänden. Das Western Isles Opportunities Programm wurde initiiert um mit den Schulabgängern in Kontakt zu bleiben und ihnen die mögliche Rückkehr zu vereinfachen. Das Nahziel bestand darin den Kontakt aufrecht zu erhalten und die 'exiles' mit den Newsletter 'Slighe Ur' über freie oder entstehende Arbeitsstellen zu informieren. Mittlererweile erhalten 650 Ehemalige dieses Informationsblatt, mit dem "local business" angekurbelt als auch den Einheimischen Jungunternehmern und Angestellten eine Chance gegeben werden soll.

Sprache

Sprache und Kultur sind - wie wohl in den meisten Fällen - auf das engste verbunden. In einem Gebiet mit so langer und abwechslungsreicher Geschichte, d.h. Eroberungen durch viele Völker und Einflüsse durch Kriege und Handel, an der äußersten nordwesteuropäischen Peripherie klammert sich ein interessantes und noch lebendiges Stück Sprachgeschichte an eine immer geringer werdende Zahl von Sprechern: das Gälisch.

Die Herkunft des Gälisch

Der Name läßt sich aus der Geschichte grob herleiten: Die in Schottland aus ca. 16 Gruppen bestehenden keltischen Einwanderer des 9./6. Jh.s v.u.Z. (q-Kelten) wurden Goidelen (Gaeli) genannt. Während der Wikingereinfälle wurden die Bewohner der Hebriden als "Gall-Ghaedhil" (Auslandsiren) oder Foreign-Gall (halb-norwegisch, halb gälisch) bezeichnet.

Dieses Gälisch bestand in Form von in den Grundzügen übereinstimmenden geographisch bedingten Varianten, d.h. Dialekten und Akzenten, weiter bis zur heutigen Zeit. Bei der Erhaltung dieser Sprache war die regionale Isolation ein entscheidender Faktor. Wie am Beispiel von Wales, Cornwall, der Isle of Man und Irland deutlich zu sehen ist, haben sich die "alten" Sprachen nur in entlegenen, vom Fortschritt und ständiger Überflutung durch neue Eroberer verschonten Gebieten gehalten, und sie stellen damit einen wertvollen Teil und eine Grundvoraussetzung für einen bedeutenden Teil des kulturellen Erbes dar. Ein altes "klassisches" Volkslied mit (neu-) englischem Text wäre in diesen Gebieten wohl kaum denkbar.

Mit der für die jakobitische Armee verlorenen Schlacht von Culloden (1746) wurde allen Clans (Jakobiten und Nicht-Jakobiten) das Tragen von Waffen und Kilt (Disarming Act), und das Spielen von Dudelsäcken sowie die clan-eigene Rechtssprechung verboten, womit die Traditionen schon schlimm genug unterdrückt wurde. Nachdem die kleine Highland-Armee Schottland bis in die 127 Meilen-Entfernung von London zurückerobert hatte, entschied man jedoch am Hof, auch die entlegenen Gebiete zu zivilisieren. Obgleich das Verbot der Sprache nicht explizit im Disarming Act aufgeführt ist, so hatte dieser doch einen bedeutenden negativen Einfluß auf die Wertschätzung des Gälisch durch die eigene Bevölkerung. Das war das offizielle Aus für die Gälische Sprache als tägliches Kommunikationsmedium; Englisch wurde weiträumig zur Zwangs(zweit)sprache und setzte sich spätestens mit der Einführung der Schulpflicht (1872) und unter dem steigendem wirtschaftliche Druck ab Mitte des 19.Jh. durch. Noch heute spricht man vom Gälischen als einer "hinderance in the cities and a check to emigration; it handicaps the Islanders in the race for life, shuts them from the path open to their fellow-countrymen who speak the English tongue...a barrier to economic progress" (Collier, S. 53-57; Geddes, 1955, S. 253f).

Kirche und Kunst wurden schwer getroffen, obwohl die Kirche sich als tapferer Kämpfer um den Erhalt der Sprache erwies, und stellenweise Regierungsanweisungen zuwider der Gottedienst in Gälisch gehalten und die Sprache auch unterrichtet wurde. Erst mit dem Education Act (1918) wurde das Gälisch wieder offiziell anerkannt, aber sein Ansehen und seine Verbreitung hatten gelitten.

Der heutige Stand der gälischen Sprache

Während es in den folgenden 1½ Jahrhunderten die freiwillige und gewaltsame Auswanderung der Bewohner war, die die Zahl der Sprecher reduzierte, ist es heute die Arbeitsstellensuche der Jugend auf dem schottischen Festland und die natürliche Bevölkerungsentwicklung in einem Gebiet, in dem der Anteil der Bevölkerung an >65jährigen Personen überrepräsentiert ist. Dadurch wird die gälisch-sprechende Bevölkerung - trotz ernsthafter Bemühungen verschiedener Organisationen und der Regierung - in den nächsten Jahren warscheinlich weiter sinken.
1971 hatten die Äußeren Hebriden mit 81,6% (1900: 89,94%) den höchsten Anteil an zweisprachiger Bevölkerung Schottlands. Von den 88415 Englisch und Gälisch sprechenden Personen befanden sich 26% auf den Hebriden. Die absolute Zahl der Gälischsprecher nahm jedoch kontinuierlich ab. 1991 lag der Mittelwert der des Gälisch mächtigen Personen bei 73,3% (das Maximum bei 96% auf Berneray/Harris und das Minimum bei 27% in Gramisdale, Balivanich und Nunton/Benbecula).

Lebensstil und Mentalität

Die Mentalität der Bewohner der Hebriden kann man in wenigen Sätzen wie sie hier zur Verfügung stehen nur schwer erklären. Deshalb möchte ich zur Veranschaulichung nur einige besonders auffallende Merkmale nennen. Die Entstehung der Geschichten über den schottischen Geiz und die Faulheit der Inselbewohner, von denen die meisten gehört haben, sind historisch erklärbar, ansonsten aber nicht zutreffend. Der "Geiz" resultiert aus der Notwendigkeit aus fast nichts eine Lebensgrundlage zu schaffen, und die "Faulheit" der Insulaner kann durch die folgenden drei Zitate zumindest teilweise erklärt werden:

  1. "It does not matter to the Gael that a changed practice will reap him a bigger material reward. That is no recompense for having to that extent placed himself outside his group. If the material reward is real, he will be envied by his fellows and that is no good state to be in ... If the reward is illusory, he will be ridiculed, and that is not good either in a society where there is no privacy." (Fraser Darling, 1955, 231ff)
  2. "Conservatively minded communities often react unfavourably to external development proposals, while lacking the leadership to inspire their own initiative." (Moisley und Caird, 1961)
  3. "...a major determinant is ‘the availability of people in each area willing to initiate and operate appropriate developments effectively’" (HIDB, 1980)
    "Lack of cooperation from landowners has frustrated the progressive ideas of the Board for local land use planning,..." (HIDB, 1973)

Traditionelle Arbeitsweisen sind erprobt und haben sich als meist ausreichend erfolgreich erwiesen. Da alle Menschen auf den Inseln auf gute nachbarschaftliche Beziehungen angewiesen sind, scheint es töricht, diese auf die Probe zu stellen.

In der Geschichte finden sich auch viele Beispiele für Gastfreundschaft, zum Teil unter Einsatz von Freiheit und Leben. Flora MacDonald hilft dem in der Schlacht von Culloden geschlagenen Prinz Charles Edward Stewart von Uist nach Skye. Tacksman Donald Campell hilft einem Schiffbrüchigen, der für einige Zeit im Haushalt bleibt und bei der Arbeit und beim Fischfang hilft. Als Rev. Aulay Macaulay kommt, um den sich als Sinclair ausgebenden selben Prinz (siehe oben) zu verhaften, wird ihm von Campell bedeutet, daß er die Gastfreundschftsregeln der Highlands auch mit der Waffe verteidigen würde. Der Prinz wurde nicht verhaftet.

Als Beispiel für vorbildhaftes Miteinander sollte man auch die durch fast völlige Abwesenheit glänzende Kriminalität erwähnen. Die Gemeinden regeln kleinere Verstöße selbst, Polizisten sind ungern gesehen und kommen auch nur dann dienstlich, wenn Protokolle erforderlich sind (Verkehrsunfälle etc.). Größere Diebstähle, Raub und Mord sind in Pub und Presse vielbesprochene Jahrzehntereignisse, womit ihre geringe Häufigkeit hinreichend beschrieben ist. Das einzige häufigere "Vergehen" besteht in der Einnahme alkoholischer Getränke all-sonnabendlich, das bei den oft recht beschwerlichen Heimwegen schon einmal im Straßengraben endet, aber darüber wird nicht gern gesprochen.
Bemerkenswert für den Besucher der kleineren Inseln ist das Fehlen oder bei neueren Häusern zumindest die Nichtnutzung von Schlössern an Haustüren und Autos. In geparkten Autos ist ein steckengelassener Autoschlüssel nicht ungewöhnlich, Haustüren sind prinzipiell offen. Dieses soziale Klima wirkt sich offensichtlich auch auf die Besucher aus, da man annehmen sollte, daß diese Offenheit doch den einen oder anderen in Versuchung führt. In mehreren Gesprächen zu diesem Thema mit Einheimischen (auf Berneray und in Garenin) konnte keiner der Befragten von einem ihm bekannten solchen Fall berichten.
Allerdings scheint durch die verkehrsmäßige Anbindung kleinerer Inseln und abgelegener ländlicher Gemeinden hier ein Trend herauszukristallisieren, der in Richtung einer allmählich zunehmenden "Verschlossenheit" weist.

"Eine karge und ärmliche Gegend..." war der ungefähre Wortlaut eines Reiseführers. Materiell - noch teilweise; ansonsten sind diese Menschen, trotz oder Dank ihrer Abgeschiedenheit, um vieles reicher!

Kirchenzugehörigkeit

Auf dem gesamten Gebiet der Äußeren Hebriden findet man eine starke religiöse Bindung. Während jedoch im Norden (Lewis, Harris und North Uist) die Reformierte Kirche vorherrscht, trifft man südlich von Benbecula, das eine ziemlich klare Trennlinie zwischen den Religionen darstellt, fast ausschließlich Anhänger des katholischen Glaubens. Die Statue der Lady of the Isles in South Uist und die Kirche in Castlebay mit dem Namen Our Lady - Star of the Sea sprechen deutlich von der Verknüpfung des Katholizismus mit dem ortlichen Lebensraum. Typisch für die katholischen Priester im Süden ist auch, daß sie über ihre Aufgaben in der Kirche hinaus aktiv am kulturellen und sozialen Leben ihrer Gemeinden teilnehmen, was mit an der - im Gegesatz zum Gebiet um Stornoway - weniger dichten Besiedlung zusammenhängen wird.

Hauptvertreter im Norden sind die Church of Scotland (seit 1690) oder Free Church of Scotland und die Free Presbyterian Church, 1989 spaltete sich noch die Associated Presbyterian Church von der Free Presbyterian Church ab. Die religiösen Praktiken ähneln sich jedoch sehr. Allen Kirchen gemeinsam ist die Heiligung des Sabbath und die Hervorhebung der Bibel als Lehr- und Predigtgrundlage. Einige Schulen sind am Kommunionsdonnerstag geschlossen, der außerdem ein Fastentag ist. Charakteristisch für diese Kirchen sind außerdem unbegleitete, meist gälische Psalmgesänge.

Es gibt auch eine kleine Episkopalgemeinde, die in einer Kapelle des St. Moluag aus dem 12. Jh. in Eoropie in Ness Gottesdienste abhält. 1990 wurde eine neue Römisch-Katholische Kirche (The Church of Our Holy Redeemer) gebaut. Pentecostals, Brethren und die Heilsarmee haben einige Anhänger. Außerdem sind noch die YMCA, the Church of Jesus Christ of Latter Day Saints (Mormonen) vertreten, die demnächst eine permanente Unterkunft erhalten sollen und die Zeugen Jehovas, deren Kingdom Hall 1956 erbaut wurde, was von deren reger Aktivität in diesem Gebiet zeugt, vertreten. An nichtchristlichen Religionen gibt es einige Bahais, Muslims und Buddhisten, sowie die Seamen’s Mission.

Bezüglich des Einflusses auf Migrationsentscheidungen kann man sagen, daß bei aller (Nicht-)Christlichkeit Nachbarschaftshilfe im Ernstfall vor Glaubensbekenntnis geht, jedoch sonntägliches Wäschewaschen und Zaunstreichen in einigen Gebieten gar nicht gern gesehen wird. In diesen Zusammenhang fällt auch das Transportproblem am Sonntag: der CalMac-Fährbetrieb ruht vollständig, An-und Abreise aus Jugendherbergen sowie Bed&Breakfasts ist unmöglich bzw. nur sehr ungern gesehen. In Privatgesprächen hört man verschiedene Kritiken an der Kirche und speziell ihrer Führungsqualität, besonders in den dichteren Siedlungsgebieten wie z.B. Broadbay. Viele Einheimische haben sich für die Sonntagsfähren zum Festland ausgesprochen. Auf der anderen Seite lassen sich geistliche Würdenträger an der Kaimauer der Fähranlegestelle anketten, um ein Anlegen der Fähre zu verhindern. Die Verlegung eines regionalen Befragungstages für Regionalwahlen von einem Donnerstag auf einen Sonntag auf Vorschlag der staatlichen Regierung traf auf unerbittlichen Widerstand:
Rev John Macleod von der Free Presbyterian Church für die Stornoway Gazette (8.1.98): "Nothing can justify the desecration of God's Holy Day. There are far more people than the Government realise who have sufficient love for the Sabbath and would not go out to vote for a councillor or an MP on that day. We would absolutely fight against this with every means in our power."

Der Vorschlag wurde zurückgezogen.
Auch spielt in den übersichtlich besiedelten Gebieten die Verflechtung von staatlichen, kirchlichen und privaten Gemeindeämtern eine nicht zu vernachlässigende Rolle. Auch hier erklären die obigen Zitate die begrenzte Veränderungswut der Insulaner. Der Raum für Experimente ist gering, meist hat man nur einen Versuch.
Aber der Gottesdienst wird doch von der Mehrheit scheinbar sehr ernst genommen. Dieser scheinbare Widerspruch ist sicher als Zeichen des inneren Kampfes der Menschen zu sehen, mit der Modernisierung einerseits, andererseits mit dem Erhalt der Traditionen, die für den unerläßlichen Zusammenhalt der Gemeinde stehen.

next page / nächste Seite